Eudaimonia 2018
Eudaimonia 2018

Leif Frenzel – Conversation Zen

 

Wie Wir das Sagen, was wir wirklich Sagen wollen

 

Jeder kennt das. Der Mund ist manches Mal schneller als die Gedanken. Je anregender oder anstrengender, dichter eine Konversation wird, desto stärker werden die eigenen Gedanken und Assoziationen rein von Gefühlen gelenkt, bis kaum mehr Kontrolle über das vorhanden ist, was da alles aus dem eigenen Mund fällt.

 

„In Rage reden“ ist dabei nur die zugespitzte Form. Schon Vorstufen reichen, um vielleicht Dinge zu sagen, die man nachher bereut. Oder, umgekehrt, auch das ist allgemein nicht unbekannt. In der Situation formulieren sich die Gedanken einfach nicht wirklich, erst einige später wüsste man, was man hätte sagen können, hätte sagen sollen.

 

Keine schlechte Idee somit, in einen Zustand zu geraten, in dem, egal, worum sich Gespräche drehen und wie emotional dies auch werden mag, eine Art „intuitiver Wachheit“, Achtsamkeit, Balance vorhanden ist, um genau das innerlich sich ausbreitende in verständlichen Worten zum rechten Moment in Sprache zu fassen.

 

So dass die Rate des Wohlbefindens nach den vielfachen Gespräche, die der Alltag oft mit sich bringt, deutlich steigt und das Gefühl der Enttäuschung nach manchen „verkorksten“ Gesprächen sich allein schon dadurch mindert, das eben nicht so viele Worte im Gespräch „ verkorksen“.

 

Das dies möglich ist, dafür legt Frenzel dieses Selbstmanagement in einfachen, leicht zu verstehenden Leitlinien und Beispielen vor. Wobei gerade aufgrund des leichten Verständnisses einem Missverständnis vorgebeugt werden muss. Von alleine funktioniert das natürlich nicht. Es bedarf der Übung und der Auseinandersetzung mit sich selbst, um eine Sicherheit seiner selbst in allen möglichen Gesprächssituationen zu erlangen. Das „Wie“ allerdings ist überzeugend im Buch dargestellt.

 

Basierend auf der einfach klingenden (und schwer zu erreichenden) inneren Haltung eines „Zen-artigen Geisteszustandes“, einer „Ausgewogenheit“ im Inneren, die nicht auf Gleichmut beruht, sondern auf einer Balance zwischen Ratio, Gefühl, Intuition und Wissen.

 

In diese Richtung begleitet Frenzel den Leser in bester Weise, um Eingriffsmöglichkeiten in das eigene, innere Erleben zu schaffen. Gegen „Ablenkungen“ im Gespräch, wenn die eignen Gedanken davon zu galoppieren drohen. Gegen spontan aufsteigende negative Emotionen, ohne diese einfache zu unterdrücken (was am Ende nicht funktionieren würde sondern sich nur an anderer Stelle dann Bahn bricht), gegen innere Fluchttendenzen, schwierige oder unangenehme Gespräche schnell abbrechen zu wollen (was keine gute Lösung ist, gerade wenn solche Gespräche von Wichtigkeit sind).

 

Immer aber ist und bleibt es wichtig, bei der Lektüre im Kopf zu halten, was Frenzel selber betont: „Aus Nichts kommt Nichts“. Vorbereitung, Stichworte, Wissen, was man möchte bedürfen ebenso einer Vorbereitung, Reflexion und Übung, wie es das „Selbstmanagement“ gerade im diffusen Bereich von Intuitionen, Gefühlen, Reaktionen, Automatismen bedarf.

 

Dabei ist die „Etablierung eines Feed Back-Zyklus“ wohl der wichtigste Rat, der gleich zu Beginn steht. Es bedarf der Offenheit für Kritik, das hören auf das „Fremdbild“, um sich selbst besser einschätzen und ein Gefühl für die eigenen schwachen Stellen in Gesprächen zu erlangen. Wie erwähnt ist es ein langer Weg, die Füße irgendwann in allen möglichen Gesprächen „nur auf festen Boden“ setzten zu können.

 

Ein Weg, der von Frenzel in leicht verständliche und, vor allem, leicht umsetzbare Schritte unterteilt wird, so dass am Ende des Trainings eine bewusstere Haltung in Gesprächen sich fast folgerichtig ergeben wird.

 

 

Eine anregende Lektüre und ein praxisnahes Training.

 

M.Lehmann-Pape 2018