Kösel 2016
Kösel 2016

Lissa Rankin – Mut zur Angst

 

Gründlich und hilfreich

 

Angst ist eine der stärksten Antriebskräfte des Menschen. Als Warnung vor Gefahren (realen, aber auch eingebildeten) hat sie ihren festen Platz seit Anbeginn der Menschheit im emotionalen Reservoir des Menschen.

 

Angst wird, in der Regel, als unangenehm erlebt. Körperliche Anspannung, Adrenalin, der berühmte „Klumpen im Bauch“, all dies führt dazu, dass Menschen, wiederum in der Regel, Situationen vermeiden, die Angst auslösen.

 

Da aber nun auch weitgehend alles Neue, jeder Schritt in eine neue Richtung ein Schritt und Gang ins Unbekannte darstellt und das Unbekannte eben auch in der Regel mit Risiko verbunden ist und damit Angst einflößt, ist dieses Vermeiden von angstauslösenden Situationen nicht der beste Weg für die Entwicklung der eigenen Person hin zur inneren Integrität.

 

Rankin formuliert dies so: „Wenn sie in ihrem Leben mit allerlei Widrigkeiten Bekanntschaft geschlossen haben…, hat die Angst sie vielleicht von ihrem inneren Leitstern abgelenkt und sie dazu gebracht, die Integrität ihres wahren Selbst zu gefährden“.

 

In einer Welt der Ablenkungen und der harmlosen Unterhaltung, die in geschickter Form dennoch vermeintlich „echte „Gefühle im Betrachter auslösen, ist es nicht einfach, dem „wahren Leben“ aufrecht gegenüber zu treten. Vielfach diffuse Ängste sind es dabei, die den Mut ein stückweit nehmen und dazu führen, mehr und mehr „faule Kompromisse“ im Sinne einer vermeintlichen Sicherheit einzugehen.


Dass angst aber mehrere Impulse in sich trägt, dass neben dem Drang zur Flucht auch die Kraft zum Standhalten, zur Überwindung der Angst vorhanden wäre, das fällt dabei allzu oft unter den Tisch.

 

So ist es gut, dass Lissa Rankin sich in breiter Form diesem Grundgefühl menschlichen Seins nähert. Denn, auch das formuliert Rankin treffend: „Tag für Tag wird Ihre Integrität auf unterschiedlichste Art und Weise auf die Probe gestellt“. Und ebenso wird dabei jedes Mal eine Entscheidung zu treffen sind entweder „aus Angst“ und für viele, teils faule Kompromisse oder für die eigene, innere Integrität, die es dann eben benötigt, dass aus der Angst (die nicht geleugnet wird), Mut entsteht.

 

Herausforderungen, auch solche, die Angst machen (und das bei jedem in sehr individueller, verschiedener Art und Weise) gehören zum Leben, zu einem sich entfaltenden Ich. Dabei ist die Angst ein Wegbegleiter, manchmal auch ein guter Ratgeber und eine Kraftquelle, sollte aber nie in die Rolle des „großen Verhinderers“ gelangen.

 

Wie Angst krankmachen kann (auch in der physiologischen Beschreibung), welche Gesichter die Angst hat und das Angst tatsächlich mit Ungewissheit zu tun hat, Ungewissheit aber das Tor zu neuen Möglichkeiten darstellt, dass Verluste zum Leben dazugehören und zwanghaftes Bewahren wollen nur zu mehr Verlusten führen, das man aber gegen sein Angst angehen kann, sie sich „gar zum Freund“ machen kann, von all dem erzählt Rankin flüssig und überzeugend.

 

Das ein (leicht) esoterischer Ton im Buch mitschwingt, dass Begrifflichkeiten wie „Engel“ gewählt werden (in Anlehnung an Jakobs Kampf mit Gott) und dass der „große Sinn des Universums“, in dem alles seinen persönlichen Sinn findet, das kann von eher rational ausgerichteten Lesers ein stückweit einfach auch „überlesen“ werden.

 

 

Denn das „Mut-Rezept“ am Ende des Buches und die Entlarvung vieler „Masken der Angst“ sind ebenso lesenswert, wie die Unterscheidung zwischen „begründeter und unbegründeter“ Angst.

 

M.Lehmann-Pape 2016