Beltz 2017
Beltz 2017

Markus Eckert, Torsten Tarnowski – Stress- und Emotionsregulation

 

Überzeugendes Programm zum strukturierten Resilienzaufbau

 

Nicht nur ein je „tiefes Durchatmen“ (was nur der erste Schritt sein kann, in einer stressigen Situation sich ein stückweit Distanz zu erarbeiten) ist durchaus hilfreich, wenn der äußere Druck für inneren Stress sorgt (oder innerer Druck sich Stress aufbauen lässt), sondern in der unlösbaren Verbindung von Emotionen und den jeweiligen Stresssituationen ist es durchaus möglich (und anstrebenswert), den Stress und die Emotionen zu verändern.

 

Mit den „Stellschrauben“, wie die Autoren es nennen, des „Körpers“ (in Bezug auf Körperspannung, Körperhaltung und Bewegung), der „Gedanken“ (Arbeit an den Interpretationen und Bewertungen von äußeren oder inneren Ereignissen (Stressoren) und des „Verhaltens“ (Emotionen und Stresserleben beeinflussen, steuern geradezu das Verhalten in stressigen Situationen), bietet dieses Training konkrete und nachvollziehbare Möglichkeiten der Selbsteinwirkung und -Steuerung, durch welches die eigene Resilienz in belastenden Situationen deutlich gestärkt und damit erhöhte Handlungsfähigkeit hergestellt wird.

 

Wobei von den Autoren in guter Weise Stress als solcher bei Weitem nicht „verteufelt“ wird, sondern in seinen positiven Eigenschaften der erhöhten Aufmerksamkeit, der Herausforderung zum Lernen und der Bewältigung von Aufgaben gewürdigt wird. Nicht die Situation als solche macht damit „ungesunden“ Stress, sondern die jeweilige Haltung zu bestimmten „Drucksituationen“, deren Interpretation und Bewertung (und das in nicht wenigen Bereichen eher auf unbewusster Ebene und automatischen Reflexen).

 

„Effektive Emotions-und Stressregulation ist eine Kunst, vorhandene Gefühle innerlich zu kontrollieren und sie so auszudrücken, dass sie den Interaktionszielen sowie der eigenen Gesundheit dienen“.

 

Die Emotionen zu erleben und im Umgang mit diesen dennoch nicht nur „Opfer“ der eigenen Emotionen zu sein. Unter Drucksituationen nicht „abzuschalten“, aber auch nicht „völlig aufgelöst“ sich vorzufinden und das Ganze im sozialen Kontext konstruktiv handlungsfähig zu halten, dass ist, was die Autoren mit diesem Training als Lernmöglichkeit an die Hand geben.

 

Im Ablauf in drei Module untergliedert, bietet das Buch eine Handreichung für Multiplikatoren, in der Arbeit mit Gruppen oder einzelnen „Emotionsregulierungskompetenzen“ zu vermitteln und die Fortschritte dann auch einem Controling zuführen zu können, ganz im Sinne eines „Anwendungslernens“ statt eines reinen „Erwerblernens“.

 

Damit aus „Aktivierung und Wachheit“, den positiven Folgen von Stress, nicht „emotionale Erschöpfung“ wird, so man sich beständig überfordert fühlt oder auf andere Art und Weise die innere Distanz zur Situation völlig verliert.

 

Dafür die eigenen Ressourcen zu finden, zu benennen und zu stärken, ebenso in sich die Möglichkeit zu finden und weiter zu entfalten, Stress und aversive Emotionen annehmen zu können und dies mittels verhaltenstherapeutischer Elemente in sich verändern zu lernen, das sind die Inhalte jener drei Module, welche die Autoren ausführlich, verständlich und überaus griffig strukturiert Schritt für Schritt im Buch vorstellen.

 

So dass bei der Lektüre bereits klare, innere Bilder des Ziels der „Reise“ entstehen und vielfache innere Ankerpunkte gefunden werden, an denen die Inhalte des Trainings andocken können.

 

Sicherlich eröffnet das Werk nur den Weg zu einem, im besten Falle, lebenslangen Lernen und Arbeiten an den eigenen inneren Ressourcen und Umgehensweisen mit inneren und äußerem Druck, das aber vollziehen die Autoren überaus überzeugend und mit mannigfaltigen Hilfsmitteln (die auch Online zur Verfügung stehen).

 

Ein in sich stimmiges und kompetentes Training.

 

 

 M.Lehmann-Pape 2017