dtv 2012
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Martin Betschart – Ich weiß, wie Du tickst

 

Sich und andere besser einschätzen lernen

 

Sei es die griechische „Lehre von den Körpersäften“, Riemans „Grundformen der Angst“ oder die deutlich differenzierteren (was die „Zahl“ der Persönlichkeitstypen zumindest angeht) „Persönlichkeitsehren“ wie das „DISG“ oder das „Enneagramm“, die Frage nach der Einschätzbarkeit der Menschen, ihrer Stärken, Schwächen, eben der Art, wie das Gegenüber „tickt“ ist eine alte und immer wieder neu betrachtete Frage. Eine Geschichte, auf die Martin Betschart, Keynote-Speaker und Management Trainer, durchaus eingeht (und in Teilen aufnimmt und verarbeitet).

 

Betschart selbst stellt im Rahmen dieser vielfach wissenschaftlich ausdifferenzierten Methoden einen pragmatischeren Ansatz in den Raum, der dem Leser zu einem „alltagstauglichen“ Modell führen möchte und für das gilt: „lieber ungefähr richtig als haarscharf daneben“. Hauptsächlich zugrunde legt er dabei das „Drei-Hirne“ Modell mit seinen insgesamt 7 „Typen“, entwickelt durch Paul MacLean.

 

Wie das „DHM“ funktioniert bildet den ersten inhaltlichen Teil des Buches, wie sich die Merkmale des DHM im typischen Alltagsverhalten erkennen und einordnen lassen zeigt der zweite Teil des Buches auf. Das auch an äußeren Merkmalen Menschen den entsprechenden Typen des DHM zugeordnet werden können, zumindest eine „Richtung“ sich „sehen“ lässt, davon handelt der dritte Teil und eröffnet damit eine einfache „Vorauswahl“ in der Einschätzung anderer.

Was nun eine mögliche Kompetenz in dieser Einschätzung für das praktische Handeln und den Umgang mit anderen bedeutet und bedeuten kann, dies legt Betschart im nächsten Teil vor und rekurriert hier auf die Ebenen von Partnerschaft, Kindererziehung, vor allem aber auf das Arbeitsleben und die Geschäftskontakte. Hier zeigt sich durchaus der Schwerpunkt des Autors als Management Trainer, der sich im vorletzten Teil des Buches („Verliererstrategien überwinden“) noch deutlicher in den Vordergrund schiebt. Dennoch hebt sich das Buch ins einer Zielrichtung durchaus ab von üblichen „Verkaufserfolg“ Büchern und verweist durchaus in seiner Gesamtheit auf das übergeordnete Ziel Betscharts: „Menschenkenntnis und Selbstkenntnis machen das Leben leichter, harmonischer und erfolgreicher“.

 

Und damit dies durch das Buch auch praktisch umgesetzt werden kann, bietet Betschart zum einen Hilfsmittel zur Selbsterkenntnis (und Selbsteinordnung in das DHM System natürlich) und zudem vielfältige praktische Beispiele und Trainingsmanuale, um die neu gewonnen Fertigkeiten der Einschätzung in der Anwendung zu vertiefen. Zu empfehlen ist hier unter anderem das Kapitel über das „Ticken unter Stress“. Gerade die Erhaltung von Agierungsmöglichkeiten in Drucksituationen stellt sich als durchaus hilfreich für das ganz praktische Leben dar. Auch wenn Betschart nicht immer ausreichend in die Tiefe geht und gerade Widersprüchlichkeiten in „Persönlichkeiten“ zu wenig differenziert betrachtet.

 

Sprachlich eingängig und als System durchaus schlüssig, bietet Martin Betschart im Kanon der „Persönlichkeitslehren“ ein doch recht einfaches, alltagstaugliches System an, durch das der Leser recht schnell in die Lage versetzt wird, grundlegende Einordnungen seiner selbst und seiner Mitmenschen vorzunehmen. Auf dieser Basis werden konstruktive Möglichkeiten geschaffen, den Umgang mit den anderen zumindest ein stückweit mehr mit einem Verstehen zu versehen. Es wird allerdings nichts schaden, die Erkenntnisse aus diesem Buch mit anderen Persönlichkeitsmodellen anzureichern und zu vertiefen.

 

M.Lehmann-Pape 2012