K&S 2012
K&S 2012

Michael Schmitz – Psychologie der Macht

 

Facetten einer Gratwanderung

 

Macht ist nötig. Zur Leitung, zur Führung, zur Umsetzung von Vorhaben. Macht ermöglicht eine Lebensgestaltung und gibt Handlungsfreiheit.

 

Macht aber besitzt ebenfalls Gefährdungen und Schattenseiten. Und der Grat zwischen Machtgebrauch als Gestaltungseröffnung und Machtmissbrauch im Sinne von Korruption, Manipulation und dem kühlen Gang auch über Leichen, ist schmal.

 

Michael Schmitz legt in seinem Buch eine breite, differenzierte, fundierte und hochinteressante Beschreibung der Macht und der Machtmechanismen vor aus psychologischer und aus Managementsicht her vor, die am Ende des Tages dem Leser durchaus ermöglicht, nicht nur sich selbst, sondern auch vielerlei mehr an sichtbarem Verhalten anderer in das Gefüge der Macht einzuordnen.

 

Wie entfaltet sich Macht? Was sind ihre Quellen und Konstanten, was macht „Macht“ mit Menschen und Beziehungen? Dies sind die Leitfragen, welche Schmitz als Gerüst seinem Buch mit auf den Weg gibt und denen er ausführlich in vielen Verästelungen folgt. Um dabei zunächst festzustellen, dass Macht ein Grundkonstante des eigenen und des öffentlichen Lebens ist. Dabei weiß Schmitz, wovon er spricht, denn als Journallist hatte er Gelegenheit, ganz eng an vielen „Mächtigen“ (nicht nur im politischen Sinne) dran zu sein. Von politischen Machtkämpfen (Schröder und Merkel) bis hin zu ganz brachialer, roher und nackter Gewalt in Kriegsgebieten, aber auch als Management-Coach für die Wirtschaft hat Schmitz Macht in vielfacher Form betrachtet und erlebt. So fehlt natürlich eine breite Betrachtung der „Macht der Medien“ im Buch genauso wenig, wie die „Macht des Bösen“ oder ein fundierter Hintergrundblick auf „Narzissten und Psychopathen“, eine Gruppe, die durchaus vielfach unter „Mächtigen“ anzutreffen ist und hier vermehrt als „eiskalte Karrieristen“ auftritt.

 

Wobei, und dies ist ebenfalls eine hervorzuhebend Stärke der Darstellung, Schmitz nicht nur bei reinen Beschreibungen stehen bleibt. Im 3. Teil wendet er sich den „Voraussetzungen für ein echtes Leadership“ zu (zu empfehlen sind die zwei Seiten über „Charismatiker und Verführer“ als Einstieg in das gesamte Buch, um die konstruktive und destruktive Nutzung von Macht zunächst als grundlegende Basis zu verstehen).

 

Macht ist notwendig, das ist die eine, wichtige Erkenntnis des Buches. Macht kann konstruktiv genutzt werden, dass ist eine zweite Erläuterung wert, aber eben auch, dass der Leser sich keinen Illusionen hingeben soll. Auf Dauer gelingt der Ritt auf dem Grat nicht wirklich. „Macht verändert Menschen. Sie fördert Egomanie“.

 

„Keine Macht ist umsonst. Irgendwann bezahlt jeder dafür seinen Preis. Doch das möchten die Meisten (Mächtigen) nicht hören“. Die einzige Lösung gegen diese Tücken ist, Macht nicht auf Dauer zu beanspruchen und anzustreben.

 

Michael Schmitz legt eine kluge und im Stil sehr verständliche Untersuchung des Phänomens „Macht“ vor, zeigt durchaus Möglichkeiten des konstruktiven Umganges mit der Macht auf, verweist aber ebenso eindringlich und einsichtig auf die vielfachen Stolpersteine, die (fast) jeden auf dem Weg in und mit der Macht betreffen werden. Ein wichtiges Buch zum Verständnis all des Festklammerns an der Macht und all der Ausnutzung von Macht, die täglich vor Augen geführt wird.

 

M.Lehmann-Pape 2012