Beltz 2015
Beltz 2015

Michaela Brohm, Wolfgang Endres – Positive Psychologie in der Schule

 

Praxisorientierte Umsetzung

 

Dass die Einarbeitung der Ansätze und Methoden der Positiven Psychologie auch für den Bereiche des schulischen Lernens wichtige Impulse vermitteln kann, das stand sicherlich auch vor diesem konkreten Buch bereits im Raum. Das System der „positiven Verstärkung“ und andere Elemente eines „motivierenden Unterrichtes“ findet sich in der ein- oder anderen Form seit Längerem bereits im ganz normalen, schulischen Alltag wieder.

 

Auch eine „Glücksrevolution“, wie es der Untertitel des Werkes nahelegt, scheint doch ein wenig zu reißerisch formuliert. Vieles hat sich im Unterrichtsgeschehen in den letzten Jahrzehnten verändert (zum Positiven, zur „Schülerzentrierung“ hin). Andererseits steht die Schule in der Gegenwart vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen (soziale Schwierigkeiten der Schüler, nachlassendes Bindungsverhalten, Komprimierung der Schulzeit etc.), so dass es ein einerseits konstruktives und andererseits auf die Selbstmotivation zielendes Konzept umfassend wert ist, für das Unterrichtsgeschehen sorgfältig und praxisorientiert bedacht zu werden.

 

Diese Betrachtung leistet dieses Buch in durchweg anregender Form.

 

Mit Bedacht (Wohlwissend um die (gerechtfertigten) Vorurteile gegenüber einem Schlagwort wie „positives Denken“) nähern sich die Autoren dabei der Integration der Positiven Psychologie in die Werthaltung und die Praxis des Schulunterrichtes und der universitären Didaktik.

 

Mit dem Ziel, „Wohlbefinden, Wirksamkeit, Glück und Erfolg“ im Unterricht anzuregen und damit, gezielt und bewusst, einen Gegenpol zu formulieren gegenüber einer einseitigen Ausrichtung auf die Variablen Effizienz und Effektivität, die in den letzten Jahren doch überwertig die Unterrichtsziele und das Unterrichten an sich beeinflusst haben.

 

Auf Seligmann beruhend geht es somit darum, diejenigen Elemente und Haltungen im schulischen Unterricht zu bestärken (oder einzuführen), die von der „alten Defizitorientierung“ abrücken und jene didaktischen Instrumente und Haltungen stärkt, die evidenzbasiert das Wohlbefinden von Menschen stärken.

 

Hierzu setzten die Autoren knapp, aber präzise die Grundlagen der Positiven Psychologie vor Augen, übertragen die „fünf Elemente“ der Positiven Psychologie (Positive Emotionen; Engagement; Positive Beziehungen; Sinn / Bedeutung; Wirksamkeit) sehr gelungen und einsichtig auf das mögliche Unterrichtsgeschehen und entfalten aus diesen grundlegenden Betrachtungen her dann Praxisübungen zur Übertragung dieser Impulse auf den konkreten Unterricht.

 

Ein System, das ins ich geschlossen und fundiert dargelegt wird und das im Lauf der Lektüre tatsächlich eine hohe Motivation setzt, zumindest das ein oder andere der „Grundelemente“ und die ein oder andere der „Praxisübungen“ als Unterrochtender für sich in eine Erprobung zu bringen. Allein schon solch unkomplizierte, einfache (dennoch aber nicht selten ungewohnte“ Übungen wie eine „Begrüßung mit Resonanz“ oder das vermehrte Achten der Lehrperson auf die eigene Körpersprache bis hin zu komplexeren Entfaltungen eines „Echt Seins“ (für den Lehrer als Eigenübung) zeigen sehr gut die konkrete Umsetzung der Positiven Psychologie für einen Unterricht auf und sind ebenso ohne große Vorbereitungen oder technischen Hilfsmitteln anzugehen.

 

Das Buch beinhaltet viele Impulse, spricht in verständlicher Sprache (ohne „esoterische“ Ausflüge) und verbleibt konsequent bei den Grunderkenntnissen der Positiven Psychologie, die in überzeugender Form in ein Unterrichtsgeschehen, in eine entsprechende Haltung und einen entsprechenden Umgang einfließen, ohne dabei unbedingt die Inhalte des Unterrichtes auf den Kopf stellen zu wollen (oder zu müssen).

 

Auch wenn einige wenige Übungen (wie der „Humortest“ oder die „Lachhaften Übungen“),

insgesamt eine anregende und empfehlenswerte Lektüre für alle Unterrichtenden.


M.Lehmann-Pape 2015