Patmos 2013
Patmos 2013

Nam Nguyen – Sei ein Frosch

 

Den richtigen Moment erkennen und Nutzen

 

Vom Diplom-Ingenieur zum „Berater für Finanz- und Lebensplanung“ ist es, von außen betrachtet, durchaus ein weiter Schritt. Ein Schritt, der für Nguyen eng verbunden ist mit einer tiefen, persönlichen Lebenskrise, der Kurve, die er darin hinbekommen hat und den Erkenntnissen, die er in und aus dieser Krise heraus für sich gefunden hat. Erkenntnisse, in denen sich asiatische Spiritualität und westliche Psychotherapie verbunden wiederfinden.

 

Erkenntnisse, die durchaus in dem sehr flüssigen Stil des Buches beim Leser Wirkung zeigen und zumindest zum Nachdenken anhalten. Denn gegen jenen „Aktivismus“, der zunehmend positiv als „zupackend, allzeit präsent und belastbar“ gewertet wird, gegen das Image eines „Machers“, das sich viele gerne geben möchten und gegen eine ständige Hetze, Schnelligkeit und zupackende Geschwindigkeit in der Lebens- und Arbeitswelt, weiß Nguyen von einer anderen Haltung zu berichten, die durchaus zum Ziel führt, aber nicht in solch unbändiger Form einer ständigen Bewegung Lebensenergie verbraucht.

 

Man könnte das althergebrachte Wort der „Weisheit“ durchaus benutzen zur Kennzeichnung der Haltung Nguyens. Eine aus Erfahrung gespeiste Weisheit, die intuitiv weiß, wann eine Chance, ein richtiger Moment zum Handeln im Raum steht und dann auch klar und deutlich reagiert.

Aber eben nicht im „Trial und Error“ Verfahren einer ständigen Bewegung, sondern in lebenskluger Art und Weise. Die natürlich einiges voraussetzt. Vor allem, das man weiß, was man möchte, was einem gut tut, was überhaupt eine wirkliche Chance sein könnte.

 

Grundelemente, die Nguyen ebenso oft wie nebenbei, mit anführt, wie er überhaupt das von ihm Gemeinte immer klar auf den Punkt formuliert.

 

Bei all dem aber gilt: Nguyen hat es nicht mit der „Linderung von Symptomen“.

„Heilung ist jedoch erst möglich, wenn die Ursachen gefunden sind“.

Das ist, was jeder bei sich selbst entdecken muss, bevor andere, neue Haltungen eingeübt werden können. Haltungen, die dann dazu führen, eben nicht kopflos Zielen hinter her zu rennen und auch nicht Dinge mutlos aussitzen zu wollen, sondern „mit allen Sinnen und mit Einsatz der Vernunft die Chancen im Alltag zu erkennen und zuzugreifen“.

 

Hierfür dann findet der Leser vielfache Beispiele, Erläuterungen und Hinweise im Buch. Erkenntnisse, die Nguyen im Buch mit dem Erzählen seiner persönlichen Geschichte verknüpft (die vieles von einem Burn-Out in sich trägt) und damit dem Leser sehr klar vor Augen führt, wie gewirkt hat, was er an Haltung für sich gefunden hat.

Wobei eine „Methodenlehre“ im Buch nicht vorliegt, das sollte vorher bedacht werden. Durch das Erzählen der eigenen Erlebnisse und Erkenntnisse führt Nguyen den Leser zu einer Reflektion, er bietet kein „Programm“ mit abgegrenzten, methodischen Schritten.

 

Ein Reflektion heraus aus dem, was Nguyen „Planleben“ nennt und mit Bildern beschreibt: Von Böen und einem „Leergefegt sein“, sich dann „mitten im Sturm“ der eigenen Gefühle auch „entwurzelt“ wiederfinden bis zum „Auffrischen“ eines neuen Windes vollzieht Nguyen fast klassische Entwicklungsschritte durch eine Krise hindurch.

 

Und mehr eben noch, er zeigt auf, wie mit der „Haltung des Forsches“ Erkenntnisse aus diesem Prozess dafür sorgen können, nicht immer „weiter so“ dann zu gehen, sondern solche Krisen klug mit einer anderen inneren Haltung zu vermeiden. Vom „Planleben“ zum selbstbestimmten Weg.

 

Dabei spielen die vier Elemente der Bewegungen in der Stille (nach Shunruyu Suzuki), die Haltung, jeden Tag neu anzufangen, die Gelassenheit, Fortschritte nicht erzwingen zu wollen und die Selbstakzeptanz die entscheidende Rolle.

 

Ein durchaus empfehlenswertes Buch zur Besinnung auf die eigene Haltung dem Leben, der Arbeit und den Chancen gegenüber.

 

M.Lehmann-Pape 2013