Beltz 2014
Beltz 2014

Neele Reiss, Friederike Vogel – Empathische Konfrontation in der Schematherapie

 

Feinheiten in der Methode

 

Nachdem in den letzten Jahren mannigfaltige Literatur zu den Grundlagen und Methoden der Schematherapie erschienen ist, geht die Entwicklung erfreulicherweise in erkennbaren Schritten weiter.

 

Neben den Grundlagen und den Darstellungen des schematherapeutischen Ansatzes an sich wenden sich verschiedene Autoren in letzter Zeit den „Feinheiten“ des Ansatzes zu und differenzieren damit mehr und mehr Methoden, Instrumente, Arbeitsweisen und weitere Entwicklung aus.

 

In diesem Rahmen ist auch das vorliegende Buch zu verstehen. In dem aufgegriffen wird, dass die „Empathie“ als Methode (zunächst stark im Fokus der klientenzentrierten Psychotherapie nach Carl Rogers) enge Rahmungen bereits längst verlassen hat und als Grundlageninstrument so gut wie jeder Therapieform Anwendung findet.

 

Reiss und Vogel stellen ihre Betrachtungen im Buch sehr detailliert und differenziert dar, es geht nicht alleine um „Empathie im Allgemeinen“, sondern in sehr konkreten Darlegungen werden die Interventionsmöglichkeiten durch Empathie strukturiert vorgelegt.

 

Nach einer komprimierten, verständlichen Einführung in die Schematherapie, die in diesem Rahmen völlig ausreichend ist, benennen die Autorinnen die mögliche Rolle der Empathie in den einzelnen Modi und stellen sehr sorgfältig und fundiert die Anwendung samt ihrer Vorteile und Risiken („Fallstricke“) dar.

 

Eine empathische Konfrontation gegenüber einem „distanzierten Beschützermodus“ folgt dabei anderen Abläufen und „Reglen“ als jene gegenüber einem „narzisstischen Selbsterhöhungsmodus“.

 

Vermeidender Beschützermod4es, Compliant Surrender, ärgerlicher Beschützermodus, Bully & Attack Modus, forensischer Trickser. Und Manipulierer Modus, sowie ein Einblick in den Einsatz der konfrontierenden Empathie in der Gruppenschematherapie stellen die einzelnen „Modi“ im Buch dar, die von den Autorinnen behandelt werden (wobei die einzelnen Modi in der einleitenden Darstellung kurz vorgestellt werden und sich im Verlauf der Lektüre der einzelnen Kapitel dann weiter erschließen).

 

Hierbei umfasst die empathische Konfrontation Elemente aus allen bekannten vier Interventionsebenen (kognitiv, verhaltensorientiert, emotionsfokussiert und therapiebeziehungsorientiert (limited Reparenting) und kann grob in sechs „Schritte“ aufgeteilt werden (die in den einzelnen Kapiteln jeweils erkennbar nachvollzogen werden können, nachdem sie in der Einleitung  vorgestellt wurden), mit dem Ziel der Verhaltensänderung unter der gesicherten und versicherten Unterstützung des Therapeuten.

 

Mithilfe vieler Fallbeispiele, an denen die einzelnen Schritte immer wieder nachvollziehbar verdeutlicht werden, wird in diesem Buch nicht nur die „Praxis“ der empathischen Konfrontation hervorragend erläutert, sondern in der gesamten Lektüre wird die hohe Relevanz des Instruments offenkundig.

 

 

Alles in allem ist dieses Buch für jeden im Bereich Arbeitenden eine Bereicherung und weitergehende Methodeneröffnung, welche die Grundlagenliteratur weiterführt und die Praxis reflektiert und dem Leser nachvollziehbar vor Augen legt.

 

M.Lehmann-Pape 2014