Beltz 2015
Beltz 2015

Olaf Axel Burow – Team-Flow

 

Kreative Entfaltung und Ergänzung im Team

 

„Das schlechteste Team ist besser, als der beste Einzelne“.

Das ist ein Satz, der sich auf den ersten Blick beeindruckend anhört, bei dem es aber schwer fällt, die dahinter stehende Dynamik wirklich zu glauben.

 

Das Bild des allein schaffenden Kreativen, der eher von der Anwesenheit anderer noch abgehalten oder gestört denn befruchtet wird, ist doch vielfach tief eingeprägt, gerade im Rahmen der Führung von Unternehmen oder Projekten, die dann „verantwortlich auf starken Schultern“ ruht (und nicht auf den vielen Schultern).

 

Allerdings lohnt der Weg vom „einsamen Genie zum kreativen Feld“ auf lange Sicht ungemein, wie Burow mit eingängigen praktischen Beispielen (z.B. anhand der Comedian Harmonists sehr eindrücklich) illustriert.

 

Die verschiedenen Fähigkeiten und, vor allem, Herangehensweisen an das Leben und konkrete Aufgaben können immer wieder da neue Impulse setzen, wo sich eine konkrete Denkweise „heiß-gelaufen“ hat und nicht mehr weiterkommt.

 

Die Gruppe stützt alleine bereits beim Durchhalten, wenn einzelne „die Köpfe hängen lassen“, ergänzt einander, kann Aufgaben delegieren und auf die verschiedenen kompetenten Schultern verteilen und, vor allem, kann beim einzelnen Glied des jeweiligen Teams immer wieder Anstöße setzen, auch überraschende Impulse einbringen und so, wenn das Team sich zunächst einmal gefunden hat, kreative Impulse bei jedem der Teilnehmer hervorrufen und auf dem weiteren Weg befördern.

 

„Kreativität gibt es nur im Plural“.

 

Was Burow allein schon am offenkundigen Gegenteil des Satzes beweist, den „Kosten der Individualisierung“, innerhalb derer der einzelne Mensch zunehmend beratungsbedürftig sich erlebt (und damit als überfordert) und die Gefahr der (populistischen und polemischen) „Vereinfacher“ nicht zu unterschätzen ist.

Die zunehmende Zahl psychischer Probleme und Erkrankungen zeigt dann endgültig auf, dass der Verlust der automatischen sozialen Einbindung und der Lebensweise in „Teams“ keine sonderlich gesunden Folgen für das Individuum in sich trägt.

 

Es fehlt, in Burows Worten, das „kreative Feld“, das zugunsten des Idealbildes des „einsamen Genies“ sträflich ins Hintertreffen geraten ist.

 

Der Mensch aber ist an sich ein soziales Wesen, das Überleben der Menschheit innerhalb der Evolution wurde nur durch enge Kooperation ermöglicht, die Arbeits- und Aufgabenteilung beherrscht vor allem das wirtschaftliche Leben. Daraus die notwendigen Schlüsse zu ziehen, Kooperation vor Egoismus, kreatives Feld vor einsamem Arbeiten und Ergänzung vor Einseitigkeit zu setzen, dazu verhilft dieses  Buch ungemein in seiner Verständlichkeit.

 

Wie das, Schritt für Schritt, dann gehen kann, das „sich bewegen“ in einem kreativen Feld, die Förderung der persönlichen Kreativität in einem solchen und ob und wie man solche „Felder“ bewusst und gezielt erzeugen kann (eher spielerisch fast sogar, wenn man das kreative Feld als „Tanzfläche“ einmal betrachtet), das erläutert Burow ausführlich im Fortgang seiner Darstellung und gibt eine ganze Reihe hilfreicher Orientierungen, wie und wo der Leser sich selber den Rahmen eines solchen fördernden kreativen Feldes ermöglichen kann.

 

Nicht immer ganz einfach zu lesen, hier und da mit der Notwendigkeit zu einem gewissen Abstraktionsvermögen im Verstehen einzelner pädagogischer Theorien ergibt sich im Gesamten ein höchst lesenswerter, analytischer und konstruktiver Blick auf die Möglichkeiten und eigentlich die Notwendigkeit der Besinnung auf das „kreative Feld“ als Ort der Erledigung gemeinsamer Aufgaben und Herausforderungen in so gut wie jeder Lebenslage.


M.Lehmann-Pape 2015