Beltz 2013
Beltz 2013

Ralf Besser, Olaf Cordes,  Amelie Funcke u.a.  - Abenteuer aus der Trainerhölle

 

Interventionen für den Fall, das „alles“ aus dem Ruder läuft

 

Man kann als Trainer und Coach noch so gut planen, auf seine Erfahrung vertrauen und bestens gerüstet in ein Seminar gehen. Und doch lässt es sich kaum vermeiden und noch weniger vorweg nehmen, dass methodische Momente, das Klima der Gruppe, die Dynamik untereinander oder zwischen Trainer und Teilnehmern oder an noch ganz anderen, unverhofften Orten Unvorhergesehenes passiert, der geplante Verlauf fast „auf den Kopf“ gestellt wird und eben das so sorgfältig vorbereitete teils oder gar völlig aus dem Ruder läuft.

 

Während die vielfache Literatur zu Theorie und Praxis von Seminaren, Coachings und Gruppenarbeiten in der Regel ebenso vielfache Reflektionen, Interventionen, Methoden und Planungshilfen zur bestmöglichen Vorbereitung von Seminaren und Beratungen anbieten, gehen die vielen Autoren dieses Buches (für den Leser sehr erleichternd) genau jene problematischen Entwicklungen einer Trainerarbeit an, an denen schon so manches Seminar fast gescheitert wäre (oder völlig ist).

 

Was tun, wenn in eh schon schwieriger Seminarsituation ein Teilnehmer nur noch sagt: „Diesen Scheiß mache ich nicht mit“? Die Kraft aufbringen, dem eigenen Modell zu vertrauen und aktiv an genau diesem Thema weiterzuarbeiten. Oder wenn nicht nur ein einzelner Teilnehmer/in sich sperrt, sondern abgrundtiefes Schweigen den durchgehend durchflutet? Hilfreich ist es, dann die Kraft aufzubringen, das Thema schlichtweg zu ändern und an rechter Stelle dann auch selbst („gefühlte 10 Minuten, reale 10 Sekunden“) schweigen zu können.

 

Oder zu einem noch früheren Zeitpunkt, wie reagieren, wenn vor Ort die Arbeitsbedingungen sich als „Kammern der Schrecken“ erweisen, „tonnenschwere Möbelstücke“ den Raum „zustellen“, die Ausstattung von der Flipchart bis zum Beamer Schrott ist, in fensterlosen Räumen diffuses Licht nur herrscht? Eine Vielzahl von Erschwerungen, denen Trainer/innen im Buch ihre durchweg hilfreichen kreativen Lösungen gegenüberstellen.

 

Oder auch, ganz abgesehen von äußeren Umständen, Abwehr bei einzelnen Teilnehmern oder gleich der ganzen Gruppe bei jenen Momenten, die den Trainer selber betreffen, wenn einfach „der Strom ausgeht“. Wenn Durchhänger im Raum stehen, aktiv Fehler begangen werden, die Motivation verloren geht, Zweifel damit einhergehen?

 

Von der „Literaturhilfe“ („Leise Menschen“ von Sylvia Löhken) bis zur Warnung vor Ironie und negativen Beispielen über andere Menschen (auch wenn die Chance auf einen Verwandten oder Bekannten desjenigen als Teilnehmer eines aktuellen Seminars verschwindend gering ist, es passiert, wie Jürgen Schulze-Seeger peinlich zu berichten weiß), bis hin  zum Auffangen des „GAU“ (das Wegbleiben der eigenen Stimme), finden sich viele Mut machende persönliche Erlebnisse im Buch.

 

„Toxic People“, „Verwirrende Missionen“, „Allein unter Trainern“ (schwierige Momente mit und unter Kollegen u.a.), „Orgapannen“, „Kammern des Schreckens“, „Abwärts“ (schwierige Momente mit Gruppen), „Tiefpunkte“ (persönliche Momente und Pannen), „Die Hölle zum Nachtisch“ (brachiale Feedbacks und andere „Katastrophen zum Schluss“), das sind die „Oberthemen“ vielfach möglicher und von den Autoren des Buches und der einzelnen Kapitel selbst erlebter „Trainerhöllen“, die durchweg auch sprachlich sehr persönlich geschildert werden und dem Leser, trotz ihrer komprimierten Form der Darstellung, immer hilfreiche „Auswege“ und „Auffangmöglichkeiten“ (auch wenn alle Stricke reißen)  zur Verfügung stellen.

 

Ein „ganz anderes“ Buch zu Situationen des Trainings und der Trainer/innen, das plastisch und praktisch erleichternd, kompetent und außerordentlich hilfreich ein Gewinn für jeden im Bereich Tätigen ist.

 

M.Lehmann-Pape 2013