Beltz 2011
Beltz 2011

Regina Mahlmann – Führungsstile gezielt einsetzen

 

Das 1x1 der Führung

 

Schon das, auch im Sprachstil, einfach formulierte Beispiel zu Beginn des Buches zeigt das Thema eindrücklich auf. Wem der eigene Führungsstil nicht klar ist, wer zwischen verschiedenen Stilen hin- und her gleitet, der muss damit rechnen, dass er in den Augen seiner Mitarbeiter unberechenbar ist und sorgt damit für kommunikative Störungen an Orten, an denen das nicht nötig wäre.

 

So, wie die Autorin den Leser somit gleich zu Beginn mitten ins Thema hineinversetzt, so bleibt sie auch im Folgenden des Buches immer eng an ihrem Thema. Welche Führungsstile kann man allgemein ausmachen? Welcher Stil trägt welche Folgen aus? Welcher Stil passt zu wem? Wie kann ein Mix von verschiedenen Stilen jeweils der Situation entsprechend konstruktiv auch für die zu Führenden ersichtlich und gelebt werden?

 

Es gilt, wie bei vielem anderen, der Grundsatz, dass es wichtig ist, zu wissen, was man tut. Gerade in Bereichen der Führungsverantwortung. Das Buch wendet sich daher zu recht explizit an Führungskräfte, solche, die davor stehen, es zu werden, aber auch an Coachs und Berater, die mit Führungskräften arbeiten.

 

Im Überblick bietet das Buch eine Betrachtung von 6 verschiedenen Führungsstilen. Autoritäres Führen (Der „Kapitän“ weist das Ziel und setzt die Mitarbeitenden zielgerichtet ein), Kooperatives Führen (Der „Gärtner“ informiert über alle Faktoren und stimmt diese mit den Mitarbeitern ab) , Situatives Führen (Eigenregie der Mitarbeitenden mit situationsbedingten Eingriffen der Führung) , Laisser-faire-Führen, systemisches Führen (Der „Steuermann“ lenkt die Entwicklung, an denen er selbst Teil hat, Führen mit Rückkoppelungen und eher indirekter Einflussnahme) und symbolisches Führen (hochinteressant zu lesen angesichts der aktuellen wirtschafltichen Wertediskussion).

 

Im Einzelnen werden die Modelle in ihrer Entstehungsgeschichte, ihrer Bedeutung und, vor allem, in ihren konkreten Auswirkungen auf Mitarbeitende beschrieben. Hierbei fällt auf, dass die Stile nicht einer „Gut“ oder „Schlecht“ Wertung zugeführt werden, sondern jeweils in ihrer eigenen Bedeutung dargestellt werden. Durchaus kann und mag auch ein „autoritärer“ Führungsstil (oft verpönt und als überholt angesehen) sinnvolle Ergebnisse hervorbringen. Zur rechten Zeit am rechten Ort.

 

Um die rechte  Zeit und den rechten Ort einschätzen zu können, mithin die Führungsstile gezielt zu nutzen, ist jedes Kapitel erweitert um Übungen, Exkurse und praktische Tipps.

 

Verbindend über den konkreten Einzelbetrachtungen stehen Einlassungen und Hinweise zur Findung des eigenen Führungsverhaltens und der eigenen Authentizität auch im Rahmen der Nutzung verschiedener Führungsstile.

 

Anhand immer wieder eingeschobener, grafisch abgegrenzter Beispiele und einer einfachen Sprache macht das Verständnis des Buches kein Problem. Der Wiedererkennungswert der Führungsstile ist hoch, die Betrachtung eigenen Verhaltens wird so deutlich vereinfacht und kann ebenso einfach selber reflektiert werden. Auch die „Erlernung“ der einzelnen Führungsstile wird durchaus wirksam angestoßen, Möglichkeiten der eigenen Erprobung in der Praxis werden von der Autorin zudem einfach und umsetzbar an die Hand gegeben. Auch bisher vielleicht irritierende Reaktionen von Mitarbeitern werden durch die Lektüre des Buches in mancherlei Hinsicht vielfach verständlicher.

 

Das Buch ist ein Gewinn für jeden, der im weitesten Sinne mit Führung zu tun hat und der sein eigenes Verhalten zu optimieren gedenkt. Als praktisches Arbeitsbuch für das eigene Führungsverhalten ist es ebenso geeignet, wie für eine Betrachtung und Reflektion von dem, was Führung sein kann und Führung jeweils ausmacht. Am Ende der Bearbeitung weiß der Leser auf jeden Fall, wie er die kleine Mitarbeiterepisode vom Anfang des Buches in Zukunft vermeiden kann.

 

M.Lehmann-Pape