Piper 2014
Piper 2014

Remo H. Largo, Monika Czernin – Glückliche Scheidungskinder

 

Die entscheidende Bedeutung der Beziehungsgestaltung

 

Trennungen sind, zumindest in den westlichen Zivilisationen und so auch in Deutschland, so gut wie an der Tagesordnung. Und oft betrifft eine solche Trennung nicht nur die beiden „Hauptbeteiligten“, sondern in familiären Strukturen zumeist auch die beteiligten Kinder.

 

Da, wo die beteiligten Erwachsen noch in der Lage sind, Vernunft walten zu lassen, da, wo das Wohl der Kinder stark mit im Blick noch sein kann, wo Kinder nicht  schon im Vorfeld als „Parteiung“ versucht wurden, „in Spur gegen den/die andere/n“ zu schicken, da also, wo im Laufe einer Trennung noch differenziert gedacht werden kann und die gemeinsame Verantwortung für die beteiligten Kinder somit noch wahrgenommen werden kann, da ist sicherlich (aber man beachte die Einschränkungen) dieses Buch des Kinderarztes Remo Largo und der Autorin Monika Czernin hilfreich.

 

Im Buch behandeln die Autoren nämlich Schritt für Schritt alle wesentlichen Elemente einer „Trennung mit Kindern“, fassen aktuelle Erkenntnisse zusammen (die allesamt nicht unbekannt sein dürften, aber in der Zusammenschau im Buch noch einmal wichtig zu lesen sind) und bieten durchgehend vielfache praktische Beispiele und „Hinweise mitten aus dem Leben“, so dass dem Leser die Inhalte nicht akademisch daherkommen, sondern gut verständlich und ebenso gut annehmbar in den Raum treten.

 

Auch wenn die Trennung der Eltern für alle Kinder jeweils ein dramatisches Potential beinhaltet, es  muss nicht sein, dass diese destruktiven Momente ausbrechen und/oder überhand nehmen. Wo Menschen in der Lage sind, eine „Beziehungsverantwortung“ für sich, für den „blad gewesenen Partner“ und, vor allem, für die Kinder, wahr zu nehmen, da kann eine Trennung durchaus gerade im Blick auf die beteiligten Kinder konstruktiv gelingen.


„Die Kinder ins Zentrum stellen“ ist dabei eine der Kernforderungen der Autoren. Von der Mitteilung des Vorhabens über das Wissen der Probleme spezieller Altersgruppen der Kinder hin zu den klaren Absprachen im Sinne einer „gemeinsamen Erziehung danach“ werden die äußeren Momente einer Trennung im Buch zunächst abgesteckt und bearbeitet, bevor die Autoren dann zur „inneren Ebene“ ebenso intensiv übergehen. „Das Kind behutsam begleiten“ und dabei vor allem darauf achten, dass der Streit der Eltern nicht der Streit der Kinder und auf keinen Fall ein Streit „mit den Kindern“ ist. Das andere, neue Lebensformen, die in den Raum treten, auch innerlich vorbereitet und begleitet sein wollen, das sich an sich gesellschaftliche Lebensformen stark gewandelt haben und darin auch viele Chancen für konstruktive Trennungen liegen, all das findet der Leser verständlich, flüssig und praxisnah dargestellt im Buch.

 

 

Im Gesamten bildet das Buch sicherlich eine Hilfe für alle jene, die in Trennungssituationen den Blick zentral auf ihre Kinder zu richten vermögen und mit differenzierten, eher kognitiven Ratschlägen Umgang dann finden können. Es wäre zu wünschen, dass in der Vielzahl der Fälle, in denen reinweg nur mehr die Emotion reagiert und Kinder zu Schachfiguren im strategischen Kampf gegeneinander degradiert werden, der Kopf frei wäre für die Inhalte gerade dieses Buches. Leider setzt dieses Buche erst da an, wo „ vernünftige“ Menschen bereits Beratung suchen. Inhaltlich und in der Form aber sehr lesenswert.

 

M.Lehmann-Pape 2014