Beltz 2015
Beltz 2015

Richard Winter, Claudia Stahl – Familie – Eine Gebrauchsanweisung

 

Exploration des zentralen Elements familiärer Beziehungsgestaltung

 

Es gibt vielfache individuelle Lebens- und damit auch Arten und Weisend der Familiengestaltung. Abhängig von den individuellen Prägungen der Familienmitgliedern, vor allem der Eltern, abhängig natürlich auch von den äußeren Lebensumständen, von (notwendiger) Mobilität, Trennungen, persönlichen Entscheidungen und vielem mehr.

 

Auf der Basis der Bindungstheorie fassen die Autoren ihre Erkenntnisse und Darlegungen im eingängigen Schlagwort „Hauptsache Liebe“ zusammen. Wobei natürlich nicht (zumindest nicht alleine) auf ein „Gefühl aus dem Bauch heraus“ rekurriert wird, sondern das Wissen und die Erfahrung vielfacher Untersuchungen und Beobachtungen zum Thema zum tragen kommt.

 

Eine Beziehung, die von Anerkennung, Wertschätzung, gegenseitigem Respekt und Empathie gekennzeichnet ist (durchaus auch als „Haltung“ nicht nur als „schwankendes Gefühl“) und die dabei authentisch bleibt, stärkt das Gefüge untereinander zu einem tragfähigen, gemeinsamen Leben und stärk die einzelnen Glieder dieses Beziehungsverbundes auch und vor allem in der eigenen Entwicklung.

 

Die Qualität der familiären Beziehungen somit ist es, die, in diesen Familien heranwachsende,  Kinder für das Leben stärkt und prägt. Eine Qualität, die nicht „vom Himmel fallen muss“ (und dies in der Regel auch nicht tut), sondern die in bestimmten Bereichen auch zur Arbeit an sich selbst, an den eigenen Werten und dem eigenen (beziehungs-) Verhalten nachhaltig auffordert.

 

„Jede Familie kann Beziehung lernen“, so eröffnen die Autoren ihre Darlegungen und gestalten dies in überzeugender, sehr verständlicher und spürbar von den eigenen Erfahrungen aus der Praxis der Familienberatung geprägter Form.

 

Und wenn es dann übergeht zu den „Faustregeln für das Prinzip Liebe“, dann wird präzise deutlich, welch differenzierter Vorgang gemeint ist, der da auf der grundlegenden und vorhandenen Kraft der Elternliebe als denkbar tiefste menschliche Bindung „aufsattelt“.

 

Wobei das Buch nicht nur sprachlich sehr verständlich und praxisorientiert gestaltet ist, sondern der zweite Hauptteil in eben diese Praxis sehr konkret führt.

 

„12 Familienanker“, vom „Kurshalten“ über die Bedeutung des Vertrauens (und des Umgangs mit Vertrauensbrüchen“ hin zu einer „unbedingten Liebe“ ohne „wenn und aber“, vom Achten auf die eigenen Bedürfnisse von Elternseite aus (es gilt eben nicht immer: „Alles für das Kind“, koste es, was es wolle) über die Balance zwischen Freiheit und freier Entwicklung und eben notwendigen Regeln und Rahmungen hin zum (befreiten) Umgang mit Fehlern und der Entwicklung notwendiger Gelassenheit, wichtige Elemente eines gelingenden familiären Lebens und eines stärkenden Raumes für Kinder werden differenziert und verständlich dargelegt.

 

Man muss dabei als Leser das Buch gar nicht wie ein „Training“ betrachten und Schritt für Schritt abhaken wollen, was die Autoren vor allem vermitteln ist das Glück, die Freude und der Spaß, den ein vertrauensvolles und auf einer Haltung der Zuwendung beruhendes Familienleben in den verschiedenen denkbaren und möglichen äußeren Formen als Gewinn bereit hält. Ohne dabei die Stolpersteine, Schwierigkeiten, Verletzungen, mögliche und manchmal notwenige Rückzüge zu verschweigen.

 

Ein anregendes, sehr verständliches, frisch formuliertes, aus der Praxis für die Praxis verfasstes Werk, das eine Fundgrube für allem für Eltern darstellt, die das Lesen lohnt.


M.Lehmann-Pape