Walter Verlag 2010
Walter Verlag 2010

Robyn D. Walser, Darrah Westrup – Liebe ist Achtsamkeit

 

Mit dem anderen, nicht gegen ihn

 

Das man andere Menschen so belassen kann, wie sie sind, das ist bereits im alltäglichen Leben kaum anzutreffen. Reibung, Konflikte, verschiedene Meinungen, Geschmäcker, schwierig, das alles so stehen zu lassen.

 

Gleiches gilt natürlich in besonderem Maße auch im Blick auf Partnerschaften. Schon bald nach der ersten Werbephase und dem Strudel der Leidenschaften beginnt es bei Paaren, und zwar bei fast allen. Zumindest einige „Kleinigkeiten“, oft aber grundlegende Wesenszüge des anderen sollen einer Veränderung zugeführt werden, weil sie sich im Alltag eben vordergründig als nervend, nicht passend, störend darstellen.

 

Robyn D. Walser und Darrah Westrup werfen ihr Hauptaugenmerk genau auf diese Entwicklung in Paarbeziehungen. Statt allerdings die kritische Auseinandersetzung und die Kräfte der Veränderungen des anderen zum Thema zu machen, legen sie ihren Ansatz der ACT (Akzeptanz und Commitment Therapie) in ganz andere Richtung im Blick auf Liebesbeziehungen aus.

 

Den anderen nicht „passend“ machen zu wollen, sondern in sich selber die Kräfte von Respekt und Akzeptanz, letztlich die Kräfte der inneren Verbindung mit anderen Menschen, auch dem Partner, zu entdecken und zu entfalten ist das Ziel ihrer Betrachtungen.

Dies gelingt allerdings nur, wenn es zunächst möglich ist, das eigene Verhalten reflektierend zu betrachten.

Gelingt dies, dann hat auch der Prozess der gemeinsamen Entwicklung eine Chance.

Nicht auf Gefühlen wie Lust und Unzufriedenheit soll eine Partnerschaft erbaut sein (dann sind Reibereien und Konflikte vorprogrammiert), sondern auf einer persönlichen, inneren Haltung dem oder der anderen gegenüber, die eine gemeinsame Entwicklung eröffnet, befördert und nicht ein Gegeneinander entstehen lässt.

 

Akzeptanz gilt letztlich aber nicht nur den anderen gegenüber, sondern ist auch sich selbst gegenüber eine heilsame Haltung, die dazu führt, den oder die anderen nicht mehr in unbotmäßiger Form mit eigenen Bedürfnissen zu überschütten.

 

Nach einer kurzen, aber verständlichen Darstellung der Methode des „Verbunden Seins“ gehen die Autoren in diesem Sinn rasch zu einer Darstellung der Anwendung in Partnerschaften über.

 

In allen Kapiteln, die einerseits sprachlich einfach und verständlich geschrieben sind, andererseits doch teils ein wenig zu nachdrücklich und pathetisch in der Wortwahl daherkommen, schwingt letztlich eine richtige Grundüberzeugung der Autoren und des Therapie Ansatzes mit. Dass die Verbindung zwischen Menschen, auch die, die wir als Liebesbeziehung beschreiben, letztlich geprägt wird (und geprägt werden sollte) durch eine „Haltung der Achtsamkeit  und der Akzeptanz“.

 

Gerade in dieser Hinsicht ist das Buch eine wertvolle Hilfe für den, der es verstehen möchte.

 

Die Liebe als eine Haltung zu begreifen, an der man vor allem beginnend bei sich arbeiten kann ist letztlich die Haupterkenntnis des Buches. Die Methode dieser Beziehungsarbeit bietet nicht viel Neues, auch wenn es mit bedeutungsschwangeren Worten formuliert ist. Dennoch sind die einzelnen Hinweise verständlich gegeben und können durchaus im Alltag erprobt werden.

 

M.Lehmann-Pape 2010