expert 2014
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Rolf H. Bay – Erfolgreiche Gespräche durch aktives Zuhören

 

Empathie öffnet breite Straßen der Kommunikation

 

Beim Stichwort „Aktives Zuhören“ schwingt immer ein stückweit die bahnbrechende Arbeit durch Thomas Gordon mit, der die, in ihren äußeren Formen sehr offene,  klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers in strukturierte und damit seminargeeignete Formen gebracht hat.

 

Sei es in der „Familienkonferenz“, der „Managerkonferenz“ oder im „Selbstbehauptungstraining für Frauen“, das „Aktive Zuhören“ (das Pendant zur Variable der Empathie bei Rogers) ist und bleibt die Kernkompetenz der konstruktiven Kommunikation und bedeutet weit mehr als nur schweigend mit einem „offenen Ohr“ einem anderen Menschen zuzuhören. Diese grundlegende Arbeit Gordon´s nimmt Bay in weiten Teilen auf.

 

Die „Botschaften des anderen“ emotional zu verstehen und dieses Verstehen ausdrücken zu können. Ander nicht zu „bewerten“, sondern in nicht wertender Weise die eigene Befindlichkeit auszudrücken (Ich-Botschaften statt Du-Botschaften“).

 

Sich einzubringen, aber dies eben auf der Grundlage einer Wertschätzung und eines tiefen Verständnisses des Gesprächspartners zu vollziehen, all dies schwingt beim „aktiven Zuhören“ mit. Und bedarf einerseits der Einsicht in eine bestimmte „Technik“ der Kommunikation (die sich bei Weitem nicht im einfachen Wiederholen oder „Spiegeln“ der Worte des anderen erschöpft) und andererseits einer dem anderen gegenüber inneren, wertfreien, offenen und emotional die „Bedeutung des Gesagten für den anderen“ verstehen zu wollen (und zu können).

 

Nicht immer sich selbst und das, was in einem drängt nach vorne zu rücken im Gespräch. Gefühle anzusprechen und sich ehrlich für den anderen interessieren (ohne sich selbst dabei aufzugeben und eigene Wichtigkeiten ebenso ansprechen zu können), diese Grundlagen des „aktiven Zuhörens“ führt Bay sehr anschaulich an, wie er überhaupt im Gesamten nicht müde wird, die notwendige innere Haltung des Interesses und der Offenheit (auch mit vielfachen praktischen Beispielen und Übungen) im Vordergrund seiner Ausführungen zu halten und daneben vielfach hilfreiche und sehr verständliche Hinweise zur Technik, zur „Methode“ zu geben vermag.

 

Ebenso wichtig und nützlich, die diese konstruktiven Elemente im Buch erweisen sich zudem auch Bay´s Einlassungen zu den „Gesprächsstörern“. Fast noch mehr „Aha-Effekte“ tauchen hier bei der Lektüre auf. Gängige „Fehler“ oder besser, egozentrierte Eigenheiten menschlicher Kommunikation, bei denen umgehend vor Augen fällt, warum dann Gespräche „wie auf Schienen“ in eine nicht sonderlich fördernde, verhärtende Richtung führen.

 

Interpretieren, nur von sich reden, ständig Aussagen des andern bewerten, nur auf Stichworte für die eigenen Anliegen warten, Vorwürfe machen, Befehlen, Bedrohen. Letztlich das „ganz normale Gespräch des Alltages“, das hier in seinen nicht konstruktiven „Verläufen“ klar benannt wird.

 

 

Eine sehr übersichtliche, sehr verständliche und, durch die vielen Übungen, sehr praktische Darstellung des „aktiven Zuhörens“ und seiner konstruktiven Wirkung, wie es von Thomas Gordon zu Zeiten ausführlich dargelegt wurde und hier wieder neu, gut und durch weitere Erkenntnisse erweitert ins Bewusstsein gerufen wird.

 

M.Lehmann-Pape 2014