Kösel 2013
Kösel 2013

Russ Harris – Wer vor dem Schmerz flieht, wird von ihm eingeholt

 

ACT in der Praxis „schwieriger Zeiten“

 

„Es kommt doch (oft) anders, als man denkt“.

 

Diese alte Sentenz und Lebenserfahrung birgt auch Schmerzhaftes. Keine noch so gute Versicherung, keine noch so gründliche Vorplanung führt zu einer wirklichen Kontrolle.

 

Unfälle, Krankheiten, Tod, Verlust des Arbeitsplatzes, „Schicksalsschläge“, schweben beständig wie ein „mögliches Damoklesschwert“ über jedem individuellen Leben. Entfliehen kann man dem Risiko des Lebens schlechthin nicht, bei aller Vorsicht und allen, vielleicht auch gelingenden Versuchen der „Risikominimierung“.

 

Wenn man also nicht „wegkommt“ und wenn der Versuch, sich den Risiken zu entziehen oder einem geschehen Schmerz einfach durch Ignoranz und Verdrängung beizukommen die Angst vergrößern und den Schmerz dauerhaft zementieren können, ist es eine gute Idee, die eigenen Kräfte zu stärken, um den  Herausforderungen des Lebens gegenüber „gewappnet“ zu sein.

 

Im Rahmen der „Akzeptanz und Comitment Therapie“ (ACT) bietet Russ Harris in diesem Buch einen Einblick in eine „Strategie der vier Schritte“ einer solchen „Wappnung“.

 

Mit sich selbst freundlich sein.

„Einen Anker“ werfen.

Eine klare Haltung finden und einnehmen.

Das Positive des Lebens nie aus den Augen verlieren (auch wenn die Umstände aktuell dunkel sein mögen).

 

Natürlich gilt, dass dies alles, wie immer, einfacher gesagt als getan ist. Ein „Präsent sein für etwas Vergnügliches“, wie es Harris unter anderem vorschlägt, erinnert doch ein wenig zu sehr an Übungen einer leicht falsch zu verstehenden „positiven Psychologie“, die mehr an Problemen auf Dauer aufwirft als das sie löst.

 

Trotz aller Vorsicht aber solchen eher einfachen Ratschlägen gegenüber, im Gesamten bietet Harris durchaus eine sensible, einfache und verständliche Darstellung zumindest von „inneren Zielen“, die sicherlich dazu verhelfen können, mit den negativen Seiten des Lebens einen konstruktiveren Umgang zu finden. Von leichten Enttäuschungen, von wichtigen Lebenszielen, die nicht erreicht werden bis hin zu harten Schlägen, die das Leben austeilt verhilft das Buch im Gesamten vor allem zu einer Anregung für einen „Perspektivwechsel“.

 

Statt zu klagen erst einmal tief zu atmen, in sich selbst einen Anker setzten zu können („Präsent“ zu werden). Geduld zu finden, vor allem mit sich, nicht alles gegen sich zu wenden, das sind wichtige Momente, den Kopf etwas freier zu bekommen und das Geschehen objektiver ein stück weit betrachten zu lernen. Mithin, sich mehr und mehr auf die jeweiligen Chancen des Momentes konzentrieren zu können, als in der Verzweiflung zu versinken.

 

Harris führt im Buch vor, mit welchen Übungen und Haltungen dies auf den Weg gebracht werden könnte, wenn der Weg auch weiter und schwieriger in der Regel sein wird, als es sich aus der klar und einfach dargestellten Weise im Buch her darstellt.

 

M.Lehmann-Pape 2013