Beltz 2014
Beltz 2014

Silke Hagena, Malte Gebauer – Therapie-Tools Angststörungen

 

Aus der Praxis für die Praxis

 

Insbesondere in der modernen Gesellschaft hat die Angst (als Oberbegriff „für alle Gefühlsregungen, die mit dem Gefühl der Verunsicherung und Bedrohung….einhergehen“) breit den Raum des (noch) rational Zugänglichen verlassen und ist dabei, sich allzu häufig gegen eher „harmlose Objekte“ zu richten, die „Grenze zwischen Normalität und Gefahr“ wird beobachtbar brüchig.

 

Wobei eine solche übermäßige Angst mit kleineren Einschränkungen im Alltag beginnt und unter Umständen nahezu in der Lebensunfähigkeit eines konkret Betroffenen endet, das Feld der „Angststörungen“ somit betreten wird.

 

Bei der therapeutischen Bearbeitung von Angststörungen entspricht es den praktischen Erfahrungen der Autoren, dass standardisierte Tools hilfreich sind, über diese wird zumindest ein erleichternder Zugang zu den Störungsbildern mit auf den Weg gebracht.

 

Die vorliegende Sammlung an Tools und Materialen beschränkt sich dabei nicht auf einen konkreten Subtypus der Angst, sondern deckt eine hohe Breite von Angststörungen ab (Panikstörung, Agoraphobie, Soziophobie, spezifische Phobien, generalisierte Angststörungen, Krankheitsangst).

 

Wobei der Zugang zu den einzelnen Tools im Buch einer praxiserprobten Systematik folgt.

 

Die motivationale Klärung und Zielfindung für die Therapie eröffnet dabei den jeweiligen Zugang zur konkreten Angststörung, die Vermittlung von Angstbewältigungsstrategien steht im Folgenden vor dem Beginn eines entsprechenden Expositionstrainings, die Selbstwirksamkeit erhält einen gewichtigen Platz im Schwerpunkt der Therapie, gemeinsam mit dem „Kernstück“ der Behandlung, die Bearbeitung angstverstärkender Kognitionen und aufrechterhaltender Grundüberzeugungen. Dem darauf folgenden Expositionstraining nachgeordnet erfolgt die Darstellung emotionsfokussierter Interventionen.

 

Ergänzt werden die sorgsam erläuterten Tools und Materialien im Buch durch den Einbezug der „dritten Welle in der KVT“ (damit wird das Buch der stetigen Weiterentwicklung in der KVT durchaus gerecht) und Instruktionen und Impact Methoden für Therapeuten zur Veranschaulichung spezifischer Interventionen.

 

Auch mögliche Fallstricke in der Angstbehandlung finden ihren Platz in der Darstellung und nehmen damit die vielfach sehr individuellen Therapieverläufe und Ausprägungen von Angststörungen auf.

 

Von der differenzierten Diagnostik über die Zielklärung dann in die Psychoedukation, das Kontrollerleben und die Angstbewältigung verlaufen die ersten Phasen der Therapie.

Der sich Kognitive Strategien in der Angstbewältigung und die Exposition der Angstbewältigung ebenso anschließen, wie die Beschreibung emotionaler Strategien und die Aufrechterhaltung des Therapieerfolges mit der Rückfallprophylaxe.

 

Anhand vielfacher Arbeitsblätter und übersichtlicher grafischer Darstellungen werden die einzelnen Teile der Therapie anschaulich vor Augen geführt und mit Praxismaterial hilfreich begleitet.

 

Achtsamkeits- und Atemübungen werden  dabei genauso präzise und verständlich erläutert (ohne dabei auszuufern), wie Reflexionen des Klienten strukturiert im Buch angeleitet und mit Material versehen werden.

 

Alles in allem bildet das Arbeitsbuch eine vielfache Fundgrube für die eigene praktische Arbeit mit Angststörungen und ist gefüllt mit umgehend einsetzbaren Tools und Arbeitsmaterial. Ebenso gelungen sind die räumlich knappen, inhaltlich aber den Punkt treffenden und verständlichen Beschreibungen der verschiedenen Arbeitsmodelle.

 

 

Ein sehr hilfreiches Buch für die Praxis, das auf ausufernde Theoriediskussionen und Entwicklungsgeschichten einzelner Modelle und Tools zu Gunsten der praktischen Arbeitshilfe eher verzichtet.

 

M.Lehmann-Pape 2014