Carl-Auer Verlag 2016
Carl-Auer Verlag 2016

Stefan Eikemann – Spielraum des Paares

 

Zum aktuellen Stand der Paartherapie

 

Die Perspektiven Der Paarbeziehung im Rahmen des „Selbst“ und als „Spiel“, d.h. als eine Konstruktion, die je individuell dann persönlichen, dennoch aber in sich festgesetzten Regeln folgt („Menschen konstruieren Bedeutungen“), das die grundlegende Herangehensweise an die systemisch geprägte Form der Therapie, die Stefan Eikemann in diesem Werk grundlegend erläutert und in ihren konkreten Abfolgen vorlegt.

 

„Paarsein heißt spielen lernen“ ist dabei in der Praxis dann jene Methode, mit Hilfe derer Eikemann festgefahrene Strukturen und problematische Situationen und Entwicklungsphasen der Paarbeziehungen „in Bewegung bringt“ und damit überhaupt wieder Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten in „verrannten“ Paarbeziehungen ermöglichen will.

 

Und, folgt man der Lektüre Schritt für Schritt, dies verständlich erläutert und mit einer Reihe von Beispielen aus der Praxis auch überzeugend vorlegt.


Gerade dieser „praktische Teil“ des Werkes, in dem Eikemann geschickt zentrale Problemfelder von Paarbeziehungen vorlegt und deren „Lösung im Spiel“ jeweils Schritt für Schritt illustriert ist gut zu lesen und bietet dem Leser vielfaches, plastisches Anschauungsmaterial, die Methode und den therapeutischen Weg Eikemanns aufnehmen zu können.

 

Das es zunächst „von der Pflicht zu den Wünschen“ zu gehen hat, um „Bewegung hineinzubringen“ und die problematische, festgefahrene Perspektive zu lockern, das „Rechthaberei“, „sexuelles Begehren“ und „Kränkungen“ zu bearbeiten sind, um mehr und mehr Freiraum zum Atmen wieder herzustellen, um dann in den konstruktiven Weg einzumünden, der „Wertschätzung“ des anderen ermöglicht, wieder neu zu entdecken, die eigenen Wünsche klärt und im „intimen Raum“ der Entfaltung des Selbst zunächst als Einzelarbeit Sicherheit über die eigene Position in der Paarbeziehung in den Raum setzen kann, das liest sich logisch und in überzeugender Weise aufeinander aufbauend.

 

Im letzten Teil des Werkes setzt Eikemann sodann aus den theoretischen Grundlagen des ersten Teils und den praktischen Einblicken in die Arbeit des zweiten Teils die „Methode“ Schritt für Schritt vor Augen.

 

Sowohl Elemente, die „den Weg aufs Spielfeld“ erleichtern, in mancherlei Hinsicht erst überhaupt wieder ermöglichen (Spannung, Sicherheit und Vertrauen, eine „Spielkultur“ entfalten, einen geschützten Raum herstellen, auch das Risiko fördern, sich neu zu öffnen und neues zu wagen) korrespondiert dabei in bester Form mit der Darstellung des „Geschehens auf dem Spielfeld“.

 

Wobei jederzeit nicht nur die Strukturen der konkreten Paarbeziehung im Fokus der Arbeit stehen, sondern letztlich eine Klärung zur „Selbstverwirklichung“ der beteiligten Personen im Rahmen einer Paarbeziehung (oder in der Notwendigkeit vielleicht auch, eine solche zu verlassen) das eigentliche Ziel des therapeutischen Prozesses darstellt.

 

„In der Tat verdeutlichte die Ausweitung des Beobachtungsfeldes auf Interaktionssequenzen, dass das Endergebnis ein Produkt aus dem Verhalten aller beteiligten Subjekte ist“.

 

Durch Änderungen der Interaktionssequenzen besteht somit eine große Chance, Einfluss auf das jeweilige „Endergebnis“ zu nehmen und mehr und mehr neue, befriedigendere Strukturen jeweils zu entdecken, statt nur mehr in alten, eigentlich kaum mehr gangbaren Ritualen auf Dauer feststecken zu bleiben oder das gesamte Konstrukt fast gewaltsam verlassen zu müssen, um selbst wieder „Luft zum Atmen“ zu finden.

 

Eine interessante, fundierte Lektüre, in welcher die Möglichkeiten moderner Paartherapien ausgelotet werden und durch den „spielerischen“, vor allem aber systemischen Ansatz stake, neue Impulse gesetzt werden können.

 

 

Und ein Werk, in dem der doppelsinnige Titel durch den Inhalt bestens gefüllt ist, der „Spielraum des Paares“ konkret je in den Fokus rückt und neue „Spielräume“ für die Beteiligten eröffnet werden.

 

M.Lehmann-Pape 2017