Breuer und Wardin 2009
Breuer und Wardin 2009

Theresia Maria Wuttke – Wege aus der Mitte

 

Selbstbestimmt Leben

 

Souverän, frei und selbstbestimmt sein Leben zu gestalten ist durchaus das Ideal vieler Menschen, doch ebenso vielfach stehen Hindernisse im Weg. Äußere Zwänge und Verbindlichkeiten, ebenso natürlich oft die Sorge vor den Reaktionen der anderen und andere Hindernisse auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben.

 

Die Folge ist oft das Gefühl, nicht wirklich das auszuschöpfen, was an Talenten und Möglichkeiten vorhanden wäre und die Neigung, einer ganzen Reihe von Wünschen gar nicht erst nachzugehen, entweder, um nicht enttäuscht zu werden oder aus einer Art träger Mutlosigkeit dem Leben gegenüber.

 

Im Unterschied zu vielen anderen Ratgebern, die sich die Ausschöpfung des eigenen Potentials zum Thema gemacht haben, legt Theresia-Maria Wuttke mit ihrem „Wege aus der Mitte“ keine Sammlung von Sentenzen oder abstrakter Erkenntnisse vor, sondern schöpft aus ihrem persönlichen Leben und beschreibt letztendlich ihren ganz eigenen Weg hin zu einem freien und authentischen Leben. Durch die beständige Koppelung und Rückführung auf selbst Erlebtes und Erprobtes erhalten ihre Einsichten eine ganz eigene und reale Qualität. Das, was wie dem Leser vermittelt hat sie selber gelebt, sie schöpft aus der Reflektion eigener gelungener und auch mancher misslungener Wege, nicht aus theoretischen Überlegungen.

 

Es hat sich also bereits an ihrem Leben erwiesen, dass funktioniert, was sie anbietet. Sie selbst hat erlebt, dass in der Wesensmitte eine Quelle der Inspiration und des Mutes anzutreffen ist, die umgehend zu wirken beginnt, wenn der „Müll des Lebens“ entsorgt und damit die Quelle der Kraft freigelegt wird. Die eigenen, wie sie es nennt „Gravuren“ des Lebens, die zu Automatismen und starren Lebensabfolgen führen, sind nicht für die Ewigkeit gesetzt, sondern veränderbar, wenn der Mensch vertrauensvoll von innen nach außen beginnt zu leben, statt sich in der Außenwelt ständig zu erschöpfen.

 

Wie man diese Quelle erreicht, freilegt und nutzt und welche Folgen das nach sich zieht, das beschreibt sie Schritt für Schritt auf den 190 Seiten ihres Buche in teils poetischer, teils nüchterner Sprache. Eine Herausforderung für den rational-nüchternen Leser ist sicherlich die Vielzahl esoterisch besetzter Begriffe, die sie verwendet, letztlich aber eine Herausforderung mit Gewinn, denn Schritt für Schritt beginnt tatsächlich, die eigene „innere Stimme“ beim Lesen des Buches und der Betrachtung des bewegten Lebens von Theresia-Maria Wuttke lauter zu werden.

 

Authentisch, nachvollziehbar, in seiner Wirkung nachweisbar am eigenen gelebten Leben stellt sich Theresia-Maria Wuttkes Forderung zunächst nach einer Wendung nach innen dar, damit das eigene Leben auch nach außen hin dann höchste Qualität gewinnt. Eine Qualität tiefer Verbundenheit mit der eigenen Geschichte, den eigenen Vorfahren und den eigenen Talenten und Möglichkeiten, die „die anderen“ nicht außer Acht lässt, sondern eine Haltung der Achtsamkeit und Wertschätzung sich selbst und den anderen gegenüber hervorbringt. Eine Haltung, in der alles bereits da ist, es liegt in uns.

 

M.Lehmann-Pape 2010