Hanser 2017
Hanser 2017

Thorsten Rabenbauer – Führungsprinzip Wertschätzung

 

Aktbekanntes Prinzip, das immer wieder neu entdeckt werden muss

 

Glaubt man den einschlägigen Statistiken, dann ist es mit der Arbeitsmoral in Deutschland nicht (mehr) allzu weit her. Die innere Identifizierung mit dem konkreten Arbeitgeber, die Rate an Burn-Out, die Klagen über Druck und unverständliche, dafür aber beständige „Umstrukturierungen“, das sich selbst nur mehr als „Kostenfaktor“ oder „Gewinnbringer“ verstanden sehende, vielfach sind die Erosionen im Blick auf eine motivierte und überzeugte Mitarbeit in Bezug auf den je eigenen Arbeitgeber.

 

Wie schon Carl Rogers grundsätzlich (bedingungslose Akzeptanz als wichtige Variable des „verstehenden Geschehens in der Psychotherapie“, woraufhin eine positive und konstruktive Entwicklung in der Beziehung des Klienten zum Therapeuten und, vor allem, sich selbst gegenüber, unter Aktivierung der inneren „Selbstentfaltungskräfte“, zu Tage tritt) und, mehr noch, in der Adaption dieses psychotherapeutischen Ansatzes für das „normale Arbeits-Leben“ durch Thomas Gordon (Mangerkonferenz) bereits seit Jahrzehnten vorgelegt und erprobt, ist es gerade die „Wertschätzung“, explizit ausgedrückt und für den Mitarbeiter klar erkennbar, durch welche Motivation, Kreativität und Identifizierung mit der „Gruppe“ in den Raum treten.

 

Je mehr Wertschätzung, desto mehr Motivation, so könnte man sagen. Mit der Einschränkung, dass die Wertschätzung tatsächlich „echt“ sein muss. Nur „dahergeredetes“ Loben wird schnell als Manipulation erkannt und hat dann gar gegenteilige Effekte.

 

Inhalte und Erkenntnisse, die Thorsten Rabenbauer sehr verständlich, sehr klar und sehr nachvollziehbar (auch für die eigene Arbeitspraxis) im Buch dezidiert vorlegt und anhand von griffigen Beispielen und klaren Merksätzen begründet.

 

„Menschen machen den Unterschied“. Eine schlichte, leider allzu oft an den Rand gedrängte Wahrheit gegenüber „Ideen“, „technischer Innovation“ und anderem mehr.

 

„Jeder ist in seiner Rolle, in seinem Verhalten, in seiner Verantwortung Teil des Ganzen“ und sollte darin eben gesehen und mit positivem Feedback versehen werden. Das kleinste Rad sorgt mit dafür, dass das Ganze reibungslos funktioniert und ebenso kann ein „Streiken“ des „kleinsten Rades“ ungeahnte negative Auswirkungen auf das „große Ganze“ in sich tragen.

 

Dazu gehört natürlich, auch das wird oft zu sehr vorausgesetzt und in der notwendigen bewussten Reflexion unterschätzt, als Führungskraft die eigene, wertschätzende Grundhaltung zu suchen, zu finden, zu sichern und auszubauen. Denn letztendlich ist es die eigene, innere Haltung, die im Handeln zu Tage tritt und ihre (im Buch gestärkten) positiven Auswirkungen durch eine wertschätzende Haltung setzen kann.

 

Was das genau ist, wie das geht, wie das praktisch umgesetzt werden kann, wie dies im „richtigen Maß“ geschieht und wie (mit einem Klären der Rollen, mit einem Wissen um „Teamphasen“, mit Respekt für die Persönlichkeiten) einerseits Identifikation mit dem Team und dem Betreib gefördert werden kann und andererseits Konflikte konstruktiv gelöst werden können und Motivationsfaktoren gut eingesetzt werden, all das führt Rabenbauer aus seiner praktischen Tätigkeit verständlich, klar und gut gegliedert dem Leser vor Augen.

 

Vor allem der immer wieder kehrende Punkt des „Praxis-Transfers“ zu den einzelnen inhaltlichen Punkten ist im Buch gut und verständlich gelungen (was auch den wichtigen feinen Humor betrifft, der für eine aufnahmebereite Atmosphäre überaus hilfreich ist).

 

 

Insgesamt ein Buch aus der Praxis für die Praxis, in welchem die Wertschätzung Mitarbeitern und Untergeben gegenüber als wichtigstes Führungsprinzip überzeugend besetzt wird und dass in Form und Inhalt den Leser schon im Lauf der Lektüre hoch motiviert, umgehend die gelesenen Inhalte in der eigenen Arbeitspraxis zu erproben und Erfahrungen mit diesen zu machen.

 

M.Lehmann-Pape 2017