Carl-Auer Verlag 2012
Carl-Auer Verlag 2012

Tobias Conrad, Carola Timmel – Ängsten gelassen begegnen

 

Viele Übungen zur Selbsthilfe

 

„Angst ist ein Wegweiser für neue Pfade“. Angst taucht, so die Autoren, oft dann auf, wenn eigentlich im Leben neue Wege anstehen würden, alte Lebensmuster nicht mehr befriedigen und mehr und mehr jenes „magenverknotende“ Gefühl auftritt, dass zum einen die Sorge ausdrückt, zu verlieren, was ist und zum anderen, „weil wir vor dem, was wir nicht kennen, unendlich viel Bauchweh haben“.

 

Ob der „Sprung ins Ungewisse“ das Leben verbessert, das macht Kopf und Gefühl unruhig.

 

Gut beschrieben liegt es also vor im Buch, das Gefühl der Angst. Ein Aggregatzustand der Persönlichkeit, der lähmt, sich winden lässt, der dutzende von Ausflüchten und Schönredereien kreiert, den man gerne so schnell wie möglich verlassen möchte. Andererseits, und auch das kommt im Buch hervorragend zum Ausdruck, Angst setzt tatsächlich wichtige Impulse und will, letztlich, die Person so lange nicht in Ruhe lassen, bevor nicht tatsächlich faktische Veränderungen eintreten.

 

So verbleibt die Entscheidung zwischen einem „Wer weiß, was kommt“ in ängstlicher Manier oder der Wahrnehmung des Lebens in vielen Hinsichten als eine Summe von Möglichkeiten. Und das hört sich doch gleich viel positiver an, als drohende Verluste.

 

„Die Angst ist ein Funke, der jenes Feuer entfacht, das unseren neuen Lebensweg beleuchtet und erhellt“.

Das sagen die Autoren im Übrigen nicht einfach so daher, wohl wissend, dass Menschen viel eher von ihren Ängsten bestimmt und „regiert“ werden als vom mutigen Ergreifen neuer Möglichkeiten.

 

 

Im Aufbau des Buches und der gesamten dahinterliegenden Philosophie der „Achtsamkeit“, bereiten die Autoren den Weg „in die Möglichkeiten“ hinein. Sorgfältig, jederzeit verständlich und mit vielfachen Übungen und praktischen Beispielen versehen. Im Verlauf der Lektüre gelingt es tatsächlich, zumindest eine Ahnung zu haben von jenem „Bogen, der sich in eine sonnige Zukunft spannt“ (spannen kann) und es gelingt, vielfache Hilfestellungen für sich zu entdecken, sich diesem Bogen achtsam, seiner selbst gemäß und in Ruhe zu nähern. Hilfestellungen, die in der Regel mit der Methode der „Imagination“ und der „Visualisierung“ vorgelegt werden. Allein aber schon die Beruhigung, die von der ersten bis zur letzten Seite aus dem Buch hervorgeht, das Nehmen von Zwang, das Durchatmen in emotional bedrängenden Situationen wirkt da schon wahre Wunder und ist Inhalt und Methode zugleich.

 

Sei es in den einführenden Kapiteln zur näheren Beleuchtung dessen, was Angst genau ist, sei es im Blick auf „(innere) Verhinderer“ im Leben, sei es in der Darlegung von Wichtigkeit und Erlangung einer Resilienz, der Fähigkeit, auch schwierige Zeiten und Aufgaben „ohne größere Beeinträchtigungen“ durchzustehen.

 

Entspannungsübungen, spielerische Methoden zur Vertreibung der Angst und, zu Recht zum Abschluss, ein intensiver Blick auf „Befreier“, auf jene inneren Haltungen, die den Kopf frei machen und das Gefühl achtsam „umformen“ von der ohmmächtigen Angst zum konstruktiven Abwägen und Angehen der Möglichkeiten, Schritt für Schritt erleichtert die Lektüre und folgt man den Autoren gern in ihrer sachlichen und ruhigen Art der Darstellung.

Viele praktische Beispiele, Kernsätze und viele, viele Instrumente zur ruhigen Reflektion und Stärkung seiner selbst führen zu einer spürbaren Motivation, die auch nach der Lektüre anhält.

 

Ein sehr empfehlenswerter Begleiter und Ratgeber zu Fragen der Angst und ein kluges Brevier, die Emotion positiv zu nutzen, indem eine zu hohe Identifikation mit dem Gefühl gelöst wird und Ursache und Wirkung gelassener und objektiver betrachtet werden können.

 

M.Lehmann-Pape 2013