Kösel 2012
Kösel 2012

Tom Holmes – Reisen in die Innenwelt

 

Zum Verständnis und zur Behandlung problematischer Verhaltensmuster

 

Auf der Basis des „Inneren Familienmodells“ von Schwartz vollzieht Tom Holmes in seiner (gut verständlichen) Darlegung einen grundsätzlichen Gang durch die „inneren Anteile“ des Menschen, die einerseits persönlichkeitsbildend wirken und andererseits das Verhalten bestimmen. Gerade in Bezug nun auf selber als problematisch erlebte Verhaltensweisen und „Verhaltensmuster“ (Leidensdruck) bietet Holmes einen profunden und stets unaufgeregten Einblick in die „Wirkweise“ von „inneren Antreibern“, „innerem Kind“, „innerem Beschützer“ und anderen wirkenden „Mitgliedern“ der „Persönlichkeitsfamilie“. Durch die gewählte sprachlich einfache Form und Ergänzung derselben durch Hervorhebungen und grafischen Darstellungen gelingt ihm auf diesem Weg durchaus eine überzeugende Darstellung der verschiedenen Elemente der Persönlichkeit.

 

Eine Lektüre, die auch ein Verständnis dafür eröffnet, warum Menschen in verschiedenen Situationen so verschieden reagieren („als wäre ich ein anderer“, „da stand ich neben mir“). In Verbindung mit einer immer wieder illustrierend herangeführten Sicht des Menschen aus buddhistischer Perspektive arbeitet Holmes allerdings in guter Weise nicht nur heraus, welche „Samen an Verhaltensmustern“ angelegt sind, sondern bietet dem Leser auch eine Vielzahl an Reflektionen, Interventionen, Möglichkeiten an, den „inneren Personen“ nicht ständig nur reaktiv gegenüber ausgeliefert zu sein. Durchaus ist es möglich, von sich selbst in bestimmten Momenten einen gewissen Abstand zu nehmen und nicht einfach einer festgefahrenen Verhaltensweise die Regie allein zu überlassen. Gerade da, wo dies dem Menschen nicht gut tut, das innerlich angetrieben Verhalten destruktive Gefühle (oder gar Folgen) nach sich zieht.

 

Wobei auch Holmes die Grenze zwischen (möglicher) Selbstregulierung (im „normalen“ Reflexionsprozess) und notwendiger professioneller Begleitung (in verhärteten und dem Bewusstsein nicht ohne weiteres zugänglichen Verhaltensmustern) sieht und betont. So dient dieses buch als vielleicht erster und guter Schritt hin zu einem „Wissen um sich selbst“ und eine mögliche Beeinflussung zu konstruktiven Verhalten hin, nicht aber zu einem „Selbstheilverfahren“ in allen Bereichen von destruktiven Verhaltensmustern.

 

„Es ist nicht immer einfach, die richtigen Teile zu aktivieren, wenn wir sie brauchen“. Und in nicht wenigen Fällen ist dies dem konkreten Menschen gar nicht möglich, da braucht es geschulte Beratung und Begleitung.

 

Ansonsten aber führt Holmes breit und gut in die Elemente der „inneren Familie“ ein, zeigt die Folgen der „Familienmitglieder“ im Verhalten auf, verweist nachvollziehbar auf die gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Persönlichkeitsanteile und führt ebenso breit aus, wie ein Balance möglich ist und welche „Hindernisse“ es (immer wieder zu erkennen und zu bearbeiten gilt(und wie das geht).

 

Einfach und klar in der Darstellung, mit einem hohen Informationsgehalt über die „Innere Familienaufstellung) und vielen nachvollziehbaren (und umsetzbaren vor allem) Hinweisen und Möglichkeiten, an der eigenen inneren Balance zu arbeiten und eingefahrene, problematische Verhaltensweisen zu verlassen. Die häufigen Bezüge zur buddhistischen Tradition und Sicht der Persönlichkeit wirken im Buch nicht aufgesetzt oder „abdriftend“, sondern illustrieren das Gesagte und Gemeinte in guter Weise.

 

Eine sehr empfehlenswerte Einführung und Darstellung des „Inneren Familienmodells“.

 

M. Lehmann-Pape 2013