Carl Auer 2017
Carl Auer 2017

Torsten Groth -66 Gebote systemischen Handelns in Management und Beratung

 

Verständlich, griffig, kompakt

 

Auch wenn der Autor, natürlich, die Struktur des Werkes bedacht und vorgegeben hat, in Bezug auf dieses Buch ist es durchaus hilfreich, die Lektüre mit dem letzten Abschnitt zu beginnen.

 

Die grundlegenden systemischen Ideen und Prinzipien dieses Letzten Hauptkapitels legen eine Grundlage nicht nur für das Buch, sondern führen ein in eine einfach erläuterte Grund-Denkweise des systemischen Handelns und Denkens, die wunderbar zu lesen ist und bestens Voraussetzungen schafft, die weiteren 60 Gebote und Thesen im Buch noch besser zu verstehen und klar einordnen zu können.

 

Da „Nichtwissen“ im Sinne des Verstehens von Systemen ist eben eine Tatsache und eine entlastende Hilfe, sich nicht daran aufzureiben, aus Kontrollsuche Systeme umfassend verstehen „zu müssen“, sondern mit dem „Nichtwissen“ und dem Wissen um dieses „Nichtwissen“ dieses zum „Partner“ anzunehmen ist schon vieles an Grundhaltung gewonnen, dass dann frei und entspannt in die Konkretion (die Groth umfassend in den Themen vorlegt) sich zu bewegen.

 

Dass man tatsächlich nicht nur einfach „etwas Anderes machen kann“, wenn „etwas nicht funktioniert“, sondern dass es auch höchst sinnvoll ist, die eigenen Kräfte dann anderem zuzuwenden, da muss man auch erst mal innerlich draufkommen, statt sich aus falschem Ehrgeiz oder Angst vor Versagen an nicht funktionierenden Prozessen und Aufgaben regelrecht „festzubeißen“. Nicht das eigene Scheitern zementieren und dann selber noch daran glauben im Lauf der „Bemühungen ohne Erfolg“, sondern das Experiment wagen, innerlich frei bleiben, den eigenen Bewertungen trauen lernen.

 

Dass „Moden eben nur Moden“ sind und nicht „ewige Wahrheiten“, dass eine Erhöhung der Wahlmöglichkeiten durchaus meist Gutes in sich trägt, aber nicht um jeden Preis installiert werden sollte, all das sind elementare Hinweise für ein systemisches Denken mit dem Ziel sich immer stärker erhöhender Offenheit für die Prozesse des Lebens, die „Spielregeln“ konkreter Systeme und des eigenen „sich frei Bewegens“ darin, die für die Lektüre des gesamten Werkes gute Voraussetzungen liefern.

 

„Die in Geboten transportierte Theorie (die am Ende nichts anderes ist als reife und grundlegende Sozialtheorien) wird praktisch und entfaltet ihr Potential, wenn man mit ihr den Alltag neu entdeckt“.

 

Und genau das leistet Groth sehr flüssig im Ton, sehr verständlich in der Ausdrucksweise und sehr griffig in der Kürze, die hier tatsächlich Würze darstellt.

 

Kleine Merker, Nadelstiche, schnell verankerte Bilder, prägnante Formulierungen, die sofort „hängenbleiben“, all das macht die Lektüre zu einer gehaltvollen Freude. Wobei es bei einmaligem Lesen nicht bleiben sollte, denn bei aller Verständlichkeit ist es auch viel an Informationen, die eben Schritt für Schritt und wieder und wieder „inhaliert“ werden wollen.

 

Damit dieses „Nutze Theorie, damit du praktisch wirst“ beherzigt und der „Gang ins Leben“ des erfassten breit gebahnt werden kann. Zur systemischen Erkenntnistheorie (Arbeite mit und manchmal gegen die aktuelle Welt u.v.m.), zum Denken in sozialen Systemen (Betrachte die Psyche als Umwelt sozialer Systeme u.v.m.), zur Organisation (Lenke Deine Aufmerksamkeit auf Entscheidungsprämissen u.v.m.), zu Management und Führung (Betrachte Einfluss als Ergebnis von Zuschreibungen u.v.m.), zur Interventionstheorie (Sorge für anschlussfähige Verfremdung u.v.m.) und zu nützlichen Interventionsstrategien (Trenne Beschreibungen, Erklärungen und Bewertungen u.v.m.).

 

 

Konkrete, praktische, für das Arbeiten in Organisationen genauso nützlich, wie für das reine „Alltagsleben“ in Beziehungen.

 

M.Lehmann-Pape 2017