Metzler 2008
Metzler 2008

Vera Nünning (Hrsg.) – Schlüsselkompetenzen: Qualifikationen für Studium und Beruf

 

Alles, was das Lernen braucht!

 

Bildung ist eine der entscheidenden Ressourcen Deutschlands und eines der vorrangigen Diskussionsthemen in Politik und Gesellschaft. Neben den ständigen Veränderungsansätzen, zudem den Reformen, den das Studium in den letzten Jahren seit Bologna erfahren hat, neben finanziellen Engpässen und Eliteuniversitäten steht aber vor allem eines wesentlich für die Bildung des einzelnen im Raum: Die entsprechenden Kompetenzen für ein effektives Lernen und eine ebenso effektive Prüfungsvorbereitung und –Durchführung zu erwerben und einzusetzen.

 

Vera Nünning als Herausgeberin hat sich in diesem 2008 erschienenen, quasi „Handbuch zum Lernen“,  auf einen hervorragend umgesetzten Weg begeben, die erforderlichen Schlüsselkompetenzen im Blick auf Lernvorgänge, Prüfungen und einen gelingenden Start in das Berufsleben (vorrangig im Blick auf Akademiker) zusammenzutragen.

 

Ein breites Spektrum an Kompetenzen ist notwendig.

Lernen erschöpft sich nicht im Memorieren von Büchern und Lernstoff.

Daher setzt Vera Nünning folgerichtig  zwei Ziele für ihr Ansinnen. Zum einen gibt Sie einen kompakten Überblick über erforderliche Schlüsselkompetenzen für ein erfolgreiches Studium und einen gelingenden Berufseinstieg, zum anderen geht es ihr auch darum, ein Bewusstsein für bereits vorhandene, eigene Kompetenzen und Qualifikationen einsichtig offen zu legen.

 

In gesamter Breite wendet sich das Buch den wesentlichen Bereichen universitären Lernens dann zu. In bester Weise setzt das Buch nicht ein mit Memorier- oder Recherchetechniken (all das folgt durchaus später), sondern, nach einer Einleitung zum Überblick über Schlüsselkompetenzen, mit einer der wichtigsten Fähigkeiten für ein erfolgreiches Lernen, dem Zeitmanagement. Dicht gefolgt vom eng verbundenen Projektmanagement. Beides ist letztlich eine Grundvoraussetzhung, um pragmatische Lerntechniken sinnvoll strukturiert anwenden zu können und Lerninhalte in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.

 

Dann erst setzen lerninhaltliche Kompetenzen Schwerpunkte.

Recherche als unabdingbare Vorbereitung, der Umgang mit Begriffen, die textliche Einordnung und Verschriftlichung der Lerngegenstände, ebenso die mündliche Ebene des Vortrags, der Präsentation vermittels Medien und Moderationskompetenzen.

Wie erwähnt bleiben natürlich altbekannte Techniken wie Memorieren und gezielte Prüfungsvorbereitungen nicht auf der Strecke.

Auch im Blick auf diese Kompetenzen bietet das Buch einige erfrischend andere und neue Möglichkeiten zur Verankerung des Stoffes. Allein schon der Anreiz zum Nachdenken über die Veränderung der inneren Haltung von einem „Lernen Müssen“ hin zur Erkenntnis eines „Lernen Wollens“ ermöglicht neue Zugänge zur eigenen Arbeitsweise und Lernmotivation.

 

Über das reine Lernen, Strukturieren und Prüfungen angehen hinaus bietet das Buch sodann eng sich ergebende Fertigkeiten für einen Einstieg in das Berufsleben. Eine erfolgreiche Verhandlungsführung findet hier ebenso ihren Platz, wie Kreativitätstechniken und didaktische Kompetenzen, die dann greifen, wenn die eigene Rolle von der des Lernenden zu der eines Lehrenden wird.

Moderne Berufsbilder in Bezug auf das Eventmanagement und ein Bewerbungstraining runden das Buch ebenso ab, wie der notwendige und hervorragend gelungene Blick auf mittlerweile von Arbeitgebern aller Richtungen vorrangig erwartet soziale Kompetenzen.

 

Das Buch schließt mit einem Blick auf Berufschancen und Berufsfelder für Absolventen des geistes- und kulturwissenschaftlichen Bereiches. Auch dieser Abschluss trägt zur exzellenten Nutzbarkeit des Buches bei, denn gerade in diesen Fachbereichen sind, wie die Autorin des Kapitels, Simone Jansen, zu Recht betont, die Abgrenzungen für konkrete Berufsfelder kaum zu treffen. Wichtige Möglichkeiten und Ausblicke werden hier noch einmal für einen Ausblick an die Hand gegeben, welch breiter Bereich auch Geisteswissenschaftlern letztlich zur Verfügung stehen könnte, wenn die eigenen Kompetenzen richtig eingeordnet und genutzt werden.

 

In der Form ist ein leichtes Arbeiten mit dem Buch ohne weiteres möglich. Die einzelnen Kapitel sind verständlich, so knapp wie möglich und so fundiert wie nötig gestaltet.  Tipps, Beispiele und Vertiefungen sind zudem farblich voneinander und vom Rest des Buches abgesetzt, in prägnanter Form einfach zu erfassen und jederzeit schnell nach zu schlagen.

 

In einer unübersichtlicher werdenden Lernstruktur ist dieses Buch ein wichtiger, eigentlich wesentlicher, Leitfaden für eine erfolgreiche Erwerbung und Nutzung notwendiger Kompetenzen für Studium und Berufseinstieg. Ohne Abstriche jedem Lernenden zu empfehlen.

 

M.Lehmann-Pape 2010