Kösel 2012
Kösel 2012

Virginia Satir – Mein Weg zu Dir

 

Kleines Kommunikationsbrevier

 

Dass einen jemand sieht, vertsteht und berührt und dass man selbst jemand anderen sieht, versteht und berührt, „wenn das gelingt, habe ich das Gefühl, dass wir uns wirklich begegnet sind“.

Der Worte, Erläuterungen, Statements, Unterhaltungen sind viele, wenn der Tag lang ist. Von allen Seiten wird „kommuniziert“. Aber ob wirklich gehört wird, was gesagt wird? Ob viele der wohlfeilen Botschaften tatsächlich eine ernsthafte, offene und auf einen Dialog ausgerichtete Mitteilung enthalten, dass darf durchaus bezweifelt werden.

 

Das „von einem auch was beim andern ankommt“, wie Wolfgang Niedecken einmal in einem Lied sagte, das ist noch lange nicht gesagt trotz vieler Worte.

 

In ihrem schmalen Band bietet Virginia Satir in klaren, verständlichen und in keiner Weise abgehobenen Betrachtungen eine Hilfestellung zu einem solchen „echten“ Verständnis in der Kommunikation an. Nicht mehr als ein „Gerüst“ bietet Satir dabei auf den wenigen Seiten an, „welches das enthält, was meiner Meinung nach für jeden von uns möglich sein könnte“. Was aber jeder Leser durchaus selbst mit Leben dann zu füllen hat.

 

Wobei sie grundlegend davon ausgeht, das jenes „Kontakt“ herstellen, welches sie meint, eine Möglichkeit ist, sich ehrlich mit menschlichen Problemen und Sorgen auseinander zu setzen und diese angemessen mitzuteilen. Ein Prozess, der immer wieder als neue Aufgabe vor einem liegt und der eine ständige Entwicklung der eigenen Fähigkeiten und der Beziehungspflege beinhaltet.

 

Im Wesentlichen (auch, wenn Satir vieles anders formuliert) greift die Autorin hierbei auf die Grundlagen der klientenzentrierten Gesprächstherapie zurück, die mit den Namen Carl Rogers und Thomas Gordon eng verbunden ist. Achtsamkeit, Empathie, Wertschätzung, den anderen so ein lassen können, wie er ist ohne ihn aus eigenen Motiven und zu eigenen Gunsten heraus verändern zu wollen, Kritik üben, ohne anzuklagen und helfen, ohne den anderen zu beleidigen, das sind die Eckpfeiler dieses konzentrierten Praxisprogrammes, in welchem Satir mit dem Leser die einzelnen Elemente Schritt für Schritt und umsetzbar durchgeht.

 

Sei es, um den Weg freizuräumen für einen echten Kontakt, sei es das Wissen um sich selbst (Kongruenz), sei es das wissen um „Reizworte“, die immer eine ganze Reihe von Emotionen als Automatismus auslösen, seien es die guten Hinweise zum Gebrauch und zur Schulung der eigenen Sinne (Kommunikation beinhaltet mehr als nur ausgesprochene Worte oder Sachinhalte), hat man sich erst einmal an den sehr vertraulichen Ton des Buches gewöhnt, findet sich eine konzentrierte Darstellung durchaus ja schon (alt-) bekannter, dennoch aber immer wieder neu zu entdeckender, konstruktiver Kommunikationsregeln.

 

In klarer Sprache, mit vielen Bezügen zu den eigenen Erfahrungen der Autorin und zum ganz praktischen Leben legt Virginia Satir einen grundsätzlichen Rahmen für eine gelingende Kommunikation und tatsächlich helfende Gespräche dar, die einfach zu verstehen und ebenso einfach in die Praxis umzusetzen wären.

 

M.Lehmann-Pape 2012