Carl-Auer 2015
Carl-Auer 2015

Wilhelm Rotthaus – Ängste von Kindern und Jugendlichen

 

Fundierte Darstellung des gesamten Problemfeldes mit klarer Ausrichtung auf die therapeutische Praxis

 

„Angst ist das vielleicht wichtigste Gefühl, das wir Menschen haben. Angst ergreift den ganzen Menschen: sein körperliches System, sein psychisches System und sein soziales System“.

 

Dabei hat die Angst wichtige Aufgaben für das (Über-) Leben des Menschen seit jeher wahrgenommen. Angst schützt vor Gefahren (am Besten gleich durch Vermeidung derselben), Angst kündigt aber auch wichtige Entwicklungsschritte an (der „Gang ins (noch) Unbekannte, oft unter Verlust (vielleicht) nicht mehr tragfähiger, dennoch aber vertrauter Strukturen).

 

Geht Angst nun über ein „normales“ (schützendes und gesundes) Maß hinaus, erscheint sie angesichts der realen Situation als unangemessen, ist ihre Dauer und Intensität überaus ausgeprägt (so dass man sich u.U. „vor Angst nicht mehr einkriegt“), dann ist eine therapeutische Unterstützung notwendig.

 

„Das Kind oder der Jugendliche sieht keine Möglichkeit, die Angst erträglicher zu machen oder zu bewältigen“.

Und gerade im kinder- und Jugendalter gehört die Angst zu den häufigsten psychischen Störungen. Angst, die sich durchaus dann auch für das gesamte restliche manifestieren kann.

 

Sehr strukturiert, umfassend und erkennbar aus der eigenen Praxis (mit der Gabe, die eigenen Erfahrungen in Form und Sprache für die Praxis nutzbar zu vermitteln) legt Wilhelm Rotthaus mit diesem Werk einen umfassenden Blick auf Angststörungen (und therapeutische Instrumente, Methoden und Haltungen als Hilfe zur Bewältigung) bei Kindern und  Jugendlichen vor.

 

Sachlich und sehr differenziert geht Rotthaus dabei zunächst auf das klinische Erscheinungsbild ein, hinterfragt die Diagnostik und zeigt die systemischen Auswirkungen von Angststörungen. Sowohl die neurobiologische Seite der Angst, als auch die evolutionsbiologische Entwicklung erörtert Rotthaus im Folgenden auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion. Ebenso zeigt er in ruhiger und sachlicher Form die Risikofaktoren für Kinder und Jugendliche auf (familiäre Häufung, verhaltenshemmendes Temperament, Angstsensitivität, Verzerrungen der Informationsverarbeitung, Kontrollerfahrungen in der Kindheit, Emotionsregulierung, Erziehungsstil).

 

So bestens gerüstet wendet sich Rotthaus mit dem Leser ab dem sechsten Hauptteil des Buches dem konkreten Störungsverständnis zu und diskutiert die verschiedenen Psychotherapieverfahren. Wobei natürlich der eigene systemisch geprägte Ansatz erkennbar bleibt, aber keinen „Schatten“ über die fundierte Darlegung anderer, gängiger Therapieformen fallen lässt.

 

Wie nun im Rahmen der systemischen Therapie (unter Berücksichtigung der aktuellen Erkenntnisse aus der Neuro- und Evolutionsbiologie konkret und praktisch („Angsten und Entangsten“) wirksam bei Angststörungen eingesetzt werden, das ist dann Thema des letzten Hauptteils des Buches und wird sehr sorgfältig und umfassend mit vielfachen Anregungen für die therapeutische Praxis Schritt für Schritt hier nachvollzogen. Sei es durch positive Konnonation (Reframing), durch Externalisierung der Angst , durch Teilearbeit, der Entwicklung ritueller Handlungen, durch grundsätzliche Arbeit zur Musterunterbrechung.

 

Umfassend und vielfältig ist der im Bereich tätige, aber auch andere, interessierte Leser am Ende des Buches sowohl über die Hintergründe, als auch über die konkreten Erscheinungsformen und mögliche therapeutische Maßnahmen im Blick auf Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen informiert und mit vielfachen Impulsen für die eigene Praxis ausgestattet.


M.Lehmann-Pape 2015