Carl Auer 2014
Carl Auer 2014

Wiltrud Brächter (Hg.) – Der singende Pantomime

 

Therapeutische Arbeit mit Teilekonzepten

 

„Hört mich denn niemand?“

 

Das ist eine drängende Frage nicht nur eines Beispiels im Buch, das ist „die“ drängende Frage, der Kern traumatisierter Menschen, traumatisierter Kinder und Jugendlicher (um die es in diesem Buch in erster Linie geht).

 

Die „Ego State Therapie“ ist speziell auf die Arbeit mit traumatisierten Menschen hin ausgerichtet und setzt auch für dieses Buch und die Vielfalt der darin enthaltenen Instrumente und Ergänzungen zur Methode durch andere „Teilekonzepte“ mit die Grundlage. Mithin findet sich im Buch, sehr verständlich, überzeugend und praxisnah verfasst, eine ganze Reihe an Erweiterungen der Ego State Arbeit und zudem eine „Zugabe“ anderer Konzepte und deren Integration in die therapeutische Arbeit in erheblicher Breite der Kinder- und Jugendpsychotherapie (mit einem Schwerunkt der Bearbeitung schwieriger Lebensthemen, insbesondere Traumafolgestörungen).

 

Ganz wie nebenbei gelingt den Autoren im Buch aber auch ein zweites. Eine „Aufhellung“ der therapeutischen Arbeit durch die vielfachen kreativen, spielerischen, phasenweise auch mit feinem Humor versehenen Methoden und Vorschläge, die schon beim Lesen dazu anregen, in solch konstruktiver Atmosphäre die Arbeitsmethodik zu erweitern.

 

Ego State und Sandkastenaufstellung, Teilearbeit mit Figuren (Psychodrama), „farbefrohe“ Lösungen bei der Entdeckung und Festigung der „Ressourcen“, vielfach sind die Verbindungen mit Instrumenten anderer Konzepte, die jeweils dem individuellen Fall angepasst sich vorfinden (und plastisch an Fallbeispielen gut erkennbar in ihrer Umsetzung beschrieben werden).

 

In der Praxis bieten die Erweiterungen auch gute Möglichkeiten, „neuen Wind“ in konkrete Therapiesituationen zu bringen. Sicher ist und bleibt die Ego State arbeite eine äußerst komplexe Vorgehensweise. Nun aber bietet sich ein Instrumentarium zudem, an bestimmten konkreten Punkten zu reduzieren. Zu Vereinfachen. Auf neue Gesichtspunkte zu kommen und „neu Anlauf“ zu nehmen.

 

Dabei wirkt die Integration anderer Teilekonzepte in der Darstellung nie hineingepresst oder erzwungen (weil einem der Autoren nun einmal eine bestimme Methode besonders gefallen könnte),  sondern binden sich organisch in die konkrete Therapiearbeit ein.

 

So ergeben sich in bester Weise nach der Lektüre des Buches vielfache Anregungen und empirisch erfolgreiche Wege, je „neue Entwicklungsanregungen“ in therapeutische Situationen in oft kreativer und „auflockernder“ Weise hineinzubringen, ohne dass Lockerheit zum Selbstzweck degenerieren würde.

 

Natürlich findet sich im Buch auch eine grundlegende Darstellung des Ansatzes der Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen (Teilearbeit und Teilekonzepte), so dass auch der noch nicht im Ego State umfassend kundige Leser mit auf den Weg genommen wird.

 

Ein lebendiger, interessanter und in sich logischer Blick auf Erweiterungen der Ego State Therapie und die Integration vielfacher Instrumente und Methoden in die psychotherapeutische Arbeit vornehmlich mit Kindern und Jugendlichen (mit der Möglichkeit natürlich, diese Anregungen in der eigenen Arbeit auf Erwachsene zu übertragen).

 

 

M.Lehmann-Pape 2014