Droemer 2012
Droemer 2012

Woody Woodward – Der Ich Code

 

Anregungen für ein erfülltes Leben

 

„Erkenne Dich selbst“, ist eine Forderung bereits der antiken griechischen Philosophie und hat sich über die Jahrtausende bis heute hin als notwendige Arbeit an der eigenen Person bewahrt und bewahrheitet, will man im Laufe seines Lebens nicht immer die gleichen Fehler machen, die gleichen Automatismen vor sich her schieben und überhaupt sich selbst, ein stückweit zumindest, „regieren“, um nicht nur „Opfer“ seines eigenen Lebens zu sein, sondern der „Steuermann“ und die „Steuerfrau“.

 

Zahlreich ist nicht nur die aktuelle Literatur zum Thema und die „Persönlichkeitsdekodierer“ auf dem Markt. Ob DISG, Enneagramm, antike „Säftelehre“ oder Riemanns „Grundformen der Angst“ (dies vor allem ist eine der wesentlichen wissenschaftlichen Grundlagen für eine Vielzahl populärer Ableitungen der Erfassung von „Persönlichkeitstypen“).

Vieles fließt naturgemäß von diesen „Vorarbeiten“ in Woody Woodwards Betrachtungen mit ein, durchaus allerdings setzt er eigene Schwerpunkte, die seinem „Ich Code “ ein eigenes Gepräge geben (auch wenn eine enge Nähe zu Dale Carnegie zu erkennen ist und explizit benannt wird).

 

Sprachlich typisch amerikanisch, in einfacher Sprache mit vielfachen praktischen Beispielen entziffert Woodward auf den 270 Seiten seines Buches durchaus treffend jene Kräfte, die den Menschen zu dem machen, was er ist und erläutert eingängig, wie der einzelne sich jene Kräfte bewusst zunutze machen könnte. Zumindest theoretisch. Wobei Woodward den Wunsch, „bedeutend zu sein“ als Grundmotivation menschlichen Seins erhebt. Es  bedarf natürlich einer intensiven Reflektion, um dem auf den Grund zu gehen, was es für die eigene Person bedeutet, „bedeutend“ zu sein, denn dies unterscheidet sich doch sehr stark beim einzelnen, wie Woodward an vielfachen Beispielen anschaulich vor Augen führt.

 

All diese Hinführungen sind flüssig lesbar, verständlich und durchaus unterhaltsam im Buch nachzulesen, bevor dann die „harte Arbeit“ beginnt. Beileibe nämlich nicht legt Woodward eine einfache Lektüre zum Thema vor, sondern ein breites „Arbeitsprogramm“ mit vielen Fragebögen, Skalen und Übungen, welche der Leser in Woddwards Sinne durchzuarbeiten hat. Um sich selbst besser zu verstehen, um die eigene Persönlichkeit (den Ich-Code) innerlich zu bestätigen und auch zu schützen, um dann, abschließend, Methoden zu erlernen, das inne liegende Potential der eigenen Person zu entfalten.

 

Mit anderen Worten besteht das Programm des Buches daraus, sich selbst „ungeschminkt“ sehen zu lernen, sich in seiner konkreten Persönlichkeit mit den Stärken und Schwächen annehmen zu lernen und von da an nicht mehr „gegen sich selbst“, sondern „mit sich im Einklang“ und mit den eigenen Möglichkeiten zu leben. Ob und wieweit dieses tatsächlich alleine mit der Absolvierung dieses „Buch Trainings“ gelingen kann, das darf durchaus in Frage gestellt werden, wie bei vielen anderen ähnlichen Lektüren zum Thema auch.

 

Im Gesamten bietet das Buch durchaus anregende Einlassungen und sinnvolle „Test“, um sich selbst näher auf die Spur zu kommen. Dennoch lässt sich der Eindruck einer gewissen appellierenden Oberflächlichkeit nicht ganz leugnen. „Das Unvermeidliche akzeptieren und am Ende als stärkerer und erfolgreicherer Mensch aus dieser Lage hervorgehen“, das wünschen sich sicherlich viele, die letztgültige Antwort aber bleibt Woodward doch zu sehr schuldig, um hier ein „Erfolgsprogramm“ sondergleichen vor sich zu haben.

 

M.Lehmann-Pape 2012