Heyne 2014
Heyne 2014

Adam Sternbergh – Spade Man

 

Rasant

 

In der nicht fernen Zukunft ist Manhattan kontaminiert durch eine „schmutzige Bombe“ im Rahmen eines Terroranschlages. New York nicht mehr das pulsierende Zentrum der Welt, sondern eine „Insel, die leinenlos ins Meer driftet“.

 

In einer Welt, in der es an anderen Orten vielleicht noch „normal“ zugeht, sogar Fernsehshows noch produziert (und sogar gesehen) werden. Doch die „Reichen“, gerade in Manhattan, leben anders. In Luxusbetten, neural angeschlossen an eine ultraschnelle Form des Internet, in virtuellen Welten, in denen alles möglich ist.

 

Sogar der „Himmel auf Erden“. Denn „warum warten“ auf die „Straße aus Gold“. So verkündet es der bekannteste und reichste Fernsehprediger dieser Zeit, Harrow. Anschluss ans Net kostenlos, blühendes Leben in „ewiger“ Virtualität. Aber manche zahlen für diese Illusion einen hohen Preis. Was „Spademan“ aber erst im Lauf der Zeit herausbekommen wird.

 

Zunächst hat er einen einfachen Auftrag, wie so viele. Spademan ist einer der kühlsten Auftragskiller dieser Zeit. Ein Telefonat, ein Name, Geld im Voraus, kein weiterer Kontakt mehr und die gewünschte Person macht es nicht mehr lange. Mit seiner Liebe zu seinem Teppichmesser sorgt Spademan für eine saubere und endgültige Lösung. Als ehemaliger Müllmann in New York ist das Wegräumen von zu „Entsorgendem“ ihm in Fleisch und Blut übergegangen.

 

„Ich habe mal versucht, in Brooklyn zu leben. Hat nicht funktioniert. Ich hatte mal eine Frau …  ich war auch mal Müllmann. Jetzt töte ich Leute. Ende der Geschichte“.

Was nicht stimmt, mit dem Ende der Geschichte, aber das wird sich erst langsam herausstellen.

 

Und nun, neuer Auftrag. Ein junges Mädchen. Deckname „Persephone“. Eigentlich Grace und zufälligerweise die Tochter des Auftraggebers und Fernsehpredigers in Person.

Wichtig, dass sie volljährig ist, denn eine eherne Regel des Spademan besagt, dass er nur erwachsene tötet.

Was die Dinge stark verändert, denn gerade, als er sein Messer in Gebrauch nehmen will, erfährt er, dass das Mädchen schwanger ist. Somit kann Spademan den Auftrag nicht ausführen. Was den Auftraggeber überhaupt nicht erfreut. Wie die Beteiligten an den düsteren Gestalten merken, die ihnen ohne Federlesen nach dem Leben nun trachten. Das nun nimmt Spademan persönlich und wirft sich hinein in diese rasante Verfolgungsjagd auf Leben und Tod in den entleerten Straßen New Yorks und den weiten der virtuellen Realität.

 

Straff, temporeich, hart, spannend, so treibt Sternbergh diesen Thriller konsequent voran. In kurzen, knackigen Sätzen, nicht immer ganz logisch nachvollziehbar (was das „Paradies auf Erden“ so genau angeht, dafür bräuchte man nicht unbedingt den „Prediger“, scheint es), aber stets die Spannung steigernd.

 

Eine zerstörte Welt mit gebrochenen Protagonisten, von denen manche ein doppeltes Spiel spielen und wieder andere nicht ganz das sind, als was sie in der virtuellen Welt erscheinen.

 

Alles in allem ein durchaus anregender und gut unterhaltender Thriller.

 

 

M.Lehmann-Pape 2014