Suhrkamp 2017
Suhrkamp 2017

Adrian McKinty – Rain Dogs

 

Wie immer hervorragend

 

Auch wenn die Struktur der Thriller im den katholischen irischen Polizisten im protestantisch geprägten Polizeidienst, der für seine „Glaubensgenossen“ völlig auf der falschen Seite steht, sich doch immer sehr ähnelt.

 

Auch wenn sogar dieser konkrete Fall einer Frau, die in einer, nachts völlig verschlossenen, Burg scheinbar sich einschließen ließ (kaum vorstellbar bei der strikten Kontrolle des Hausmeisters) und scheinbar Selbstmord begeht sogar ein Zitat eines der älteren Fälle Duffys ist.

 

Und auch wenn der Leser inzwischen absolut daran gewöhnt ist, dass Duffy bei jeder Fahrt sorgsam den Unterboden seines BMW nach Quecksilberbomben absucht, es ist immer wieder ein Genuss, diese lässige, ironische, coole Sprache McKintys zu lesen und Duffy bei seinen Ermittlungen in der Vorhölle des Jahres 1987, in Belfast und Umgebung, zu folgen.

 

Wieder einmal ist eine Gruppe Industrieller vor Ort, um etwaige Investitionsmöglichkeiten im IRA geschüttelten Land zu finden. Ein Ansinnen, das von vorneherein nur als Feigenblatt für eine hoch unruhige Bevölkerung gedacht ist.

 

Und wieder einmal, wenn man McKinty kennt, sind Personen mit dabei, die nicht koscher erscheinen.

 

Doch wie McKinty wie nebenbei den ranghöchsten Polizisten des Landes unachtsam sein lässt, was Quecksilberzünder angeht, wie lakonisch er von abgerissenen Beinen auf einem Dach spricht, wie bedrohlich das gesamte Leben für Duffy selbst ist, wie einsam der Mann seine Tage fristen muss in seinem kalten, nur von einem Petroleumofen heizbaren Haus, nachdem ihn seine jüngste „Flamme“ aus Altersgründen verlassen hat, das hat einfach immer noch und immer wieder Klasse.

 

Samt der Nachbarin, die es nicht lassen kann, im Blick auf ihren Mann und den attraktiven Duffy mit dem Feuer zu spielen.

 

Wie es ebenso anregend ist, die Ermittlungen zu verfolgen ohne digitale Technik, ohne „CIS-Methoden“, ganz auf die alte, handwerkliche Art.

 

Zudem fällt, ebenfalls wie immer, stark ins Gewicht, dass McKinty ein Gespräch und ein Händchen für Personen und deren Gestaltung und Beschreibung als großes Talent mit auf den Weg als Schriftsteller bekommen hat.

 

Absolut wie aus dem wahren Leben geschnitten kommt nicht nur Duffy daher. Alle Beteiligten haben eine ziemlich dicke Haut und einen überaus abgeklärten Blick auf die Unvernunft und Grausamkeit des Lebens. Einen Schutzpanzer, der dennoch nicht immer hält und auch gestandenen Männern bei bestimmten Ereignissen die Tränen in die Augen drängen.

 

Wenn dann noch „Bayes mathematisches Theorem“ im Fall zum Tragen kommt und ein sehr intelligenter Täter die übliche, eher tumbe Gewalt, durchbricht, dann sind alle Zutaten für ein hervorragendes Thriller-Ereignis bereitet.

 

 

M.Lehmann-Pape 2017