Ullstein 2014
Ullstein 2014

Ake Edwardson – Das dunkle Haus

 

Überzeugend düster

 

Es sind diese wenig fassbaren, intuitiven, oft dunklen Ahnungen, die Erik Winter immer wieder vorantreiben.

Die ihn zu Beginn dieses düsteren Kriminalromans fast wie in einem Gleichnis aus dem „sonnigen“ Spanien (wo er sich mit Familie seit zwei Jahren aufhält, auch um „innerlich zu gesunden“) in das Februar-dunkle und düstere Göteborg zurücktreiben.

 

Wo er umgehend in die Ermittlungen zu einem blutigen, furchtbaren Mord an einer Frau und zweien ihrer Kinder einbezogen wird.

Das Winter nahtlos sich wieder einreiht, dass keiner der alten Mitarbeiter  und Kollegen auch nur ein kurzes Verweilen benötigt, um gleitend wieder in die alten Verbindungen und Verhältnisse mit Winter einzutreten, das Winter umgehend ohne Anlaufzeit oder Eingewöhnung vom Flughafen weg die zentrale Rolle der Ermittlungen übernimmt, das ist in diesem Roman das einzig wenig realistische Element.

 

Ansonsten schafft Edwardson eine durchweg beklemmende, irritierende Atmosphäre mit ebenso beklemmenden und  wenig durchschaubaren Figuren.

 

Der beflissene Nachbar, der die Polizei holt, weil er seit Tagen kein Lebenszeichen aus dem Haus der Nachbarin erlebt hat außer dem kläglichen Schreien eines Säuglings. Der Ehemann, der seit längerer Zeit das Haus nicht mehr betreten hat. Ein Zeitungsausträger, der nicht die ganze Wahrheit sagt. Der Käufer des kleinen Hundes der Familie, der diese wohl als Letzter lebend gesehen hat. Oder, falls er nicht der Mörder ist, als Vorletzter.

 

Ermittler, die, jeder für sich, ihren Packen im Leben zu tragen haben.

 Ein Erik Winter, der von Ahnungen getrieben kaum mehr schläft, hier und da und öfter ein Glas Whiskey zu viel trinkt. Verhöre, die nicht in Gang kommen. Motive, die vorhanden sind, Alibis, die fehlen und hinter allem immer wieder die düstere Intuition Winters, die ihn zwar in die richtige Richtung leiten will, die er nur lange Zeit nicht zu entschlüsseln vermag.

Und zudem mitten drin im Fall muss er sich der Sterblichkeit und der eigenen Trauer stellen.

 

„Er sah die Gestalt … vor sich, aber sie war immer undeutlicher geworden, wie in Auflösung begriffen und sie war immer noch genauso undeutlich, als würde die verschärfte Erinnerung nicht helfen“.

 

Ein Verschwimmen des Lebens, das Edwardson auch in kleinen Szenen (der Junge, der alleine gegen nackte Torpfosten schießt) ständig  präsent hält. Hier ist kein Raum für Helden, keine Lichtgestalten, hier treten eher gebeugte Menschen als mögliche Täter und getriebene Ermittler gegeneinander an in ihrer lähmenden Schwäche, nicht ihrer überlegenen Tatkraft.

 

„„Er kommt näher, alles kommt näher“, sagte sie“.

„Hoffentlich sprichst du nicht vom Bösen“.

„Ich weiß nicht, wie ich es nennen soll“.

„Es wird das Böse genannt, aber ich weiß nicht, was das Böse ist. Ich habe mein Leben damit verbracht, es verstehen zu wollen, aber es ist mir nicht gelungen“.

 

Gelingen aber wird die Aufklärung des Falles, mit dramatischen Umständen, hoher Gefahr für Winter, einem vorläufigen Ende und einem rigiden, endgültigen Schluss.

 

 

Nach einer langen Reise durch die Dunkelheit der Seele, die sich im eigentlichen Motiv dann eher fast trivial auflösen, in dem, was und wie es passiert aber lange nachgehen. Dem Leser, dem auch der intuitive, langsame und tiefsinnige Stil Edwardson in Sprache und Herangehensweise an seine Figuren als Herausforderung gerade recht kommt.

 

M.Lehmann-Pape 2014