Penhaglion 2013
Penhaglion 2013

Alan Bradley – Schlussakkord für einen Mord

 

Munter erzählt

 

Flavia De Luce ist ein Kind mit ihren elf Jahren.

Doch in jener Zeit Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts in Bishop´s Lacey ihren Lebensjahren doch durchaus voraus. Einerseits sicherlich noch Kind, gerade im kratzbürstigen Verhältnis zu ihren beiden Schwestern. Voller Respekt für den, immer ein wenig innerlich abwesenden Vater, der nach dem Verschwinden seiner Frau Harriet alleine die energiegeladenen Mädchen versucht, zu erziehen.

 

In diesem großen, alten, mehr und mehr verfallendem Haus, in dem Geldsorgen drücken, die Zwangsversteigerung näher rückt, die älteste Tochter Feely sich mit Heiratsplänen beschäftigt und Falvia eben, kaum zu bändigen, sich bei jeder bietenden Gelegenheit als Detektivin auf den Weg macht. Aber eben auch in einem Haus und einer Lebensart, die viele Freiheiten und Entdeckungen ermöglicht.

 

„„Die Mörder laufen noch frei herum!“ Das sind die Worte, die zu hören sich jeder Amateurschnüffler sehnlichst wünscht“.

 

Und diese Worte gelten lange Zeit, nachdem der ehemalige Organist der Ortskirche tot, ermordet wohl, aufgefunden wurde. Auf dem Deckel des Sarkophags des Dorfheiligen, des „Heiligen Tancred“. Ein Sarkophag, der zum Jubiläum geöffnet werden soll. Und in dem vielleicht noch ganz anderes zu finden wäre als nur vermoderte Knochen.

 

Während Flavia sich mehr und mehr um den Mord und seine Hintergründe kümmert und dabei mit vielen Einwohnern des Ortes in mehr als wünschenswert engen Kontakt gerät, mutlos und furchtlos, hat sie allerdings noch ganz andere Dinge zu regeln.

 

Die Hochzeit der Schwester, das nimmt Flavia mit. Die Ehefrau des Vikars der Kirche, für deren Erschrecken zeichnet Flavia mit verantwortlich und versteht erst um einiges später, was für eine Bürde der Vikar und seine Frau zu tragen haben.

 

Ihre stille Verehrung für Inspektor Hewitt. Warum beachtet er sie nicht so richtig, obwohl sie ihm doch schon bei mancher Aufklärung geholfen hat?

 

Der wohl behinderte Sohn des Richters, warum war Flavias Mutter so oft zu Besuch bei ihm in seinen wohlweislich gesicherten und verschlossenen Räumen?

 

Und was steckt eigentlich genau hinter dem Mord, von dem wohl nur Flavia und der Mörder selbst ahnen, wo genau er stattgefunden hat und was genau vorgefallen ist.

 

Wieder einmal viele Fäden Handlungsfäden, falsche Spuren und Vermutungen führt Bradley in seiner Geschichte an, die dem Leser Gelegenheit geben, das „Personal“ des Dorfes inklusive Falvias und ihrer Familie besser und besser kennenzulernen. Ein Kennenlernen, in dem Stoff für weitere Bücher durchaus angelegt ist, denn da gibt es einiges in der Vergangenheit der Personen, das in der Gegenwart noch ungeklärt vorliegt.

 

Frech, offensiv, hartnäckig und mit einem breiten Wissen über Chemie und Gifte ausgestattet macht es zudem dem Leser ein großes Vergnügen, Falvia auf ihrem Fahrrad „Gladys“ zu begleiten, ihre Abhöraktionen zu betrachten und ihre Schlüsse über das Geschehen mit nachzuvollziehen.

 

Insgesamt ein verworrener und dennoch in sich logisch aufgebauter Fall mit überraschendem Ende inmitten einer originellen Versammlung von Personen, deren jede einzelne Bradley kreativ und mit spürbarer Freude zur Entfaltung bringt.

 

M.Lehmann-Pape 2013