Carl´sbooks 2013
Carl´sbooks 2013

Alessia Gazzola – Herversagen

 

Chaotisch, aber gewieft

 

„Es ist nicht einfach, Euch eigenmächtig um Euren Reichtum zu bringen, aber ich alleine trage die Folgen“.

 

So lautet ein Teil eines Briefes, den der Schriftsteller Konrad Azais im Vorfeld seines Todes bereits seinen Kindern zukommen lässt. Um sie darauf vorzubereiten, dass sein Testament eine Enttäuschung für seine Kinder sein wird und nur eine Person, die Konrad Azais anonym noch hält, für die „das Testament alleine“ bestimmt sein wird.


Was Wunder, dass dies bei den Kindern keine Begeisterung auslöst und sie alles daran setzen, den reichen Vater zu entmündigen. Und es dauert nicht lange, und der Schriftsteller ist tot. Samt Abschiedsbrief. Selbstmord also. Könnte man denken. Wenn man nicht Alice Allevi heißt. Im Leben zwar durchaus etwas (bis etwas mehr) „ungeordnet“, in ihrem Beruf als angehende Rechtsmedizinerin aber eine durchaus kreative und, vor allem, hartnäckige Person.

 

Was nicht alle immer so wahrzunehmen verstehen, zu Alices Leidwesen.

 

„Alle Bemerkungen zu meiner Person drehen sich sonst darum, dass ich als Medizinerin eine Null bin und als Rechtsmedizinerin eine noch größere Null“.

 

Dass dem nicht so ist, auch wenn ihre Ermittlungswege ein um das andere Mal sich als skurril darstellen, das kann der Leser in diesem sehr vergnüglichen und in frischem Stil geschriebenem Roman durchaus nachvollziehen.

 

Und das sich auch im Privaten der jungen Frau etwas tut und das gar mit jemandem, der bisher sich als rechter Griesgram ihr gegenüber dargestellt hatte, auch das bringt Farbe und Leben in die Abläufe.

 

Wobei vor allem die Nachforschungen über den ominösen Todesfall nicht ungefährlich sein werden. Denn nicht nur Konrad Azais wird den Tod finden.

 

„Also, es steht außer Zweifel, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht“. Aber was steckt hinter den Dingen. Wie hängen die verschiedenen Fäden in der Familie zusammen? Was ist jenes „Dunkle“, von dem Konrad Azais in seinem Brief spricht. Es wird dauern, bis sich das ein stückweit beginnt, zu klären und Alice einer Zeugin des Geschehens näher kommen wird.

 

„Ich habe alles getan, um ihn zu schützen“. Meint die Zeugin. Aber auch sie könnte sich irren, denn sicher ist bis zum Ende des Romans wenig bis gar nichts.

 

Mit warmem Humor und einer hoch sympathischen Hauptfigur erzählt Gazzola diesen neuen Fall von Alice Allevi. Aktion, blutrünstige Szenen oder gar gruselige Hochspannung ist es weniger, was an diesem Buch fesselt, aber durch den humorvoll bis ironischen Stil und die Eskapaden vor allem der Hauptfigur gelingt es Gazzola wiederum, den Leser sehr kurzeilig und gut zu unterhalten und, was den Fall angeht, eine im Nachhinein verzwickte Situation in sich logisch einer Klärung zuzuführen.

 

M.Lehmann-Pape 2013