Hoffmann & Campe 2013
Hoffmann & Campe 2013

Andrea Maria Schenkel – Täuscher

 

Intelligenter Krimi mit dichter Atmosphäre

 

In das Jahr 1922 entführt Andrea Maria Schenkel den Leser mit ihrem neuen Kriminalroman.

 

Die Zeit, in der das Kino groß in Mode kam, auch in Landshut, wo ansonsten in der Regel nicht viel sonstiges passiert. So passt es gut, dass Kreszentia Wurzer, die Frau es Kriminalwachtmeisters, aufgewühlt nach einem „mörderischen“ Film kaum zur Nachruhe findet. So täuschend echt sah die Leiche im Film aus. Gut, dass das „bei uns“ nicht passiert.

 

Weit gefehlt im Übrigen, denn schon am nächsten Tagen werden zwei Frauen, Mutter und Tochter, ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Und ganz Landshut steht Kopf und scheint sich im Treppenaufgang zur Tatwohnung zu drängen.

 

Brutal, ja, aber doch schnell aufgeklärt, meint die Öffentlichkeit. Meinen auch zunächst die ermittelnden Kriminalen.

Denn Hubert Täuscher, Juniorerbe einer Besenfabrik, „hatte was“ mit der ermordeten Tochter. Und gleichzeitig auch mit einer anderen jungen Frau. Und da beide voneinander erfahren hatten, war die Stimmung zwischen den Beteiligten seit Wochen vor aller Augen schon gereizt.

 

„Die Thea hat den Hubert und die Clara zur Rede gestellt. Aufeinander los sind´s wie die Furien“.

 

Zudem genießt Hubert Täuscher an sich nicht den besten Ruf. „Angeber und Geck“ sind da noch die harmlosen Urteile der Landshuter über den jungen Mann.

 

Doch bei der Verhandlung knickt dieser in keiner Weise ein und nicht nur dem Leser schwant bald, dass es noch ganz andere Figuren im Spiel gibt, die ihre ganz eigenen Motive gehabt haben könnten. Den Frauen oder Hubert zu schaden, je nach Sichtweise.

 

Wer also ist Freund und Feind und von welcher Seite könnte ein Verrat an Freundschaft erfolgt sein? Oder macht Hubert seinem Namen alle Ehre und ist ein perfekter „Täuscher“? Ein schwacher Mann? Einfach aufgeblasen? Oder ein kalter Mörder?

 

„Rache und Eifersucht waren schon immer gute Motive ...... Da hat schon mancher einen Blödsinn gemacht“.

 

Immer tiefer führt Schenkel den Leser in dieses Konglomerat aus wechselseitigen, verdeckten Beziehungen ein und hält die Spannung durch immer wieder, auch kleiner, Wendungen im Verständnis des Geschehenen hoch.

 

Zudem gelingt es ihr, die Atmosphäre der Zeit und das spezielle Lokalkolorit im Landshut jener Jahre durchgehend durch ihre Personen fassbar zu gestalten. Eine keine Welt mit großen Gefühlen, eine überschaubare Bewohnerschaft mit durchaus verdeckten Interessen bei dem ein oder anderen.

 

Alle in allem ein spannender, ruhiger, intelligent konzipierter und gut erzählter Kriminalroman.

 

M.Lehmann-Pape 2013