Ullstein 2012
Ullstein 2012

Anne Chaplet – Erleuchtung

 

Der „Leuchtende Pfad“ und alte und neue Verbrechen

 

Gut, dass Anne Chaplet (alias Cora Stephan) sich von ihrem Agenten hat inspirieren lassen, die Vorgänge aus „Schrei der Stille“ noch einmal aufzunehmen und die damaligen Ereignisse rund um den Fall „Alexandra Raabe“ weiter zu führen und in diesem Buch einer endgültigen Aufklärung zuzuführen.

 

Denn herausgekommen ist ein durchaus intelligenter, gerade zum Ende hin spannender Kriminalroman, der verschiedene Erzählfäden zu einem Ganzen zusammenfügt.

 

Hauptkommissar Giorgio DeLange legt sich, wie nebenbei wieder und noch einmal mit Karl-Heinz („Charly“) Neumann an. Einflussreicher Finanzmann in Frankfurt, mit „bester Partie“ verheiratet, aber eben auch einer, dessen Vergangenheit eng mit der verschwundenen Alexandra Raabe verbunden ist und ebenso einer, der in Peru zu damaligen Zeiten, wie sich herausstellen wird, einiges zu tun hatte mit der Entwicklung des „Leuchtenden Pfades“, der terroristischen Unabhängigkeitsbewegung Perus.

 

DeLange, der eigentlich genug damit zu tun hat, sich aus seinem „Gluckendasein“ seinen Töchtern gegenüber zu lösen und sich seiner Liebe, der Staatsanwältin Karen Stark, endlich einmal zu erklären. Der nun aber die Folgen seiner beiläufigen Provokation des Karl-Heinz Neumann zu tragen hat. Gemobbt im Kollegenkreis, kaltgestellt auf einer uninteressanten Stelle, sieht er nicht nur sich, sondern auch vor allem seine Töchter einer nicht wirklich greifbaren Bedrohung ausgesetzt, wird überfallen und beginnt, auf eigene Faust zu recherchieren. Da, wo in seinen Augen alles Begann, in Peru. Während seine Töchter und Karen Stark den andern Ort aufsuchen, der damals eine zentrale Rolle spielte. Klein Roda in Hessen, ein Dorf, das nicht nur damals, sondern auch in der Gegenwart plötzlich unerklärliche Morde erlebt.

 

Wer aber nun steckt hinter all dem? Dem Verschwinden Alexandra Raabes vor so langen Jahren in Klein Roda, den neuen Morden und der gefährlichen „Legende“ um eine schöne, aber eiskalte Frau, die in Peru den „Leuchtenden Pfad“ mit anführt und bis heute anscheinend ihren Einfluss dort hat?

 

Lange tappt der Leser mit im Dunkeln, stellt sich mit den Protagonisten gefährlichen Momenten, erlebt Intrigen und Bedrohungen gegenüber DeLange, seinen Töchtern und auch Karen Stark, bis im letzten Viertel des Buches so langsam ein wenig Lichtin die Vorgänge sickert und, auf durchaus intelligente Art, spürbar wird, wie alles mit allem zusammenhängt.

 

Sicher wäre es wünschenswert gewesen, den ein- oder anderen Faden der Geschichte ein wenig stärker noch auszuprägen. Die Frage nach einem „U-Boot“ in Reihen der Polizei, ein Kollege oder eine Kollegin, welche „die andere Seite“ mit Informationen versieht hätte breiteren Raum verdient gehabt. Auch manche Ereignisse im Peru der Vergangenheit hätten etwas breiter und ausführlicher dargestellt werden können.

 

Insgesamt aber stimmt die Mischung aus Recherche und direkter Gefahr, aus Action und Ermittlung, latenter Bedrohung und offener Gewalt mitsamt der letztlich überraschenden Auflösung der Morde und Todesfälle von Damals und Heute und sorgt, mit leichten Schwächen, für eine anregende und spannende Unterhaltung. Von Anne Chaplet in bekannt klarem und flüssigem Stil zu Papier gebracht.

 

M.Lehmann-Pape 2012