Apostolos Doxiadis – Des Menschen Wolf

 

Leger erzählter, spannender „Rachefeldzug“ der besonderen Art

 

Man kann es verstehen, dass der einfache Mann aus Italien, obwohl er ein hervorragender Schuhmacher ist, nach dem plötzlichen Tod seiner Frau bei der Geburt des dritten gemeinsamen Sohnes, ein wenig den Boden unter den Füßen verliert.

 

Und weniger sich den Schuhen zuwendet, sondern mehr dem Alkohol.

 

Dass dann aber auch die Spielsucht hinzutritt, Ben Frank dabei nicht gut genug hinschaut, mit wem er spielt und wen er des Betrugs bezichtigt, am Ende eine Falsche zersplittern lässt und die dann scharfe Waffe dem einzigen Sohn des gefürchtetsten Mafia-Bosses tödlich in den Hals jagt, das ist nicht nur Pech, sondern unverantwortlich.

 

Denn Ben Frank stammt ja aus dem Süden Italiens und müsste über die „Vendetta“ bestens Bescheid wissen. Die sich auf ihn und seine Söhne erstreckt.

 

Wunderbar flüssig und trocken lässt Doxiadis dann die Geschichte dieser Rache, den Versuch der drei Söhne, sich der drohenden Schlinge je auf persönliche Art zu entziehen, aber auch die Geschichte des „Beauftragten“ und seine findigen Strategien vor den Augen des Lesers Revue passieren. Der die gesamte Lektüre über hin- und herschwankt zwischen der klugen Planung des Auftragskillers und den verschiedenen Versuchen der Männer auf der anderen Seite, der unbekannten Gefahr zu trotzen.

 

Erschwert dadurch, dass ja der einzelne Sohn erst mit 42 Jahren sterben soll, genau das Alter, welches der Mafiasohn erreicht hatte und daher eine solche Bedrohung, ein solcher „Fluch“ lange Zeit kaum wirklich ernst genommen wird von den heranwachsenden Männern dann im „besten Alter“.

 

Doch klar wird, sie sollten die Bedrohung besser ernst nehmen, denn der Gegner ist fest verpflichtet und der inzwischen verstorbene Mafia-Boss hat bestens dafür gesorgt, dass auch der Killer unter latenter Bedrohung steht.

 

Al, der kluge Geschäftsmann, findig, und vor allem ungeheuer reich ist der Älteste und damit der erste auf der Liste.

 

Nick, nicht sonderlich helle und immer wieder leicht durch möglichen Ruhm zu beindrucken, käme nach diesem dran und Leo, der Jüngste (und völlig Charakterlos, selbst was engste familiäre Bindungen angeht) hat am meisten Zeit. Nur vom Lebensalter hergesehen.

 

Ob es allen oder überhaupt einem der Söhne gelingt, der Bedrohung zu trotzen, ob der Killer seinen Auftrag erledigt (und selbst ahnt, dass auch er ein „Auftrag“ sein wird) oder scheitert und wie das alles intelligent und mit stetig sich steigernder Spannung vonstattengeht, das muss natürlich jeder Leser selbst herausfinden.

 

„Denk darüber nach, du Lukaneser Stück ……., denk gründlich darüber nach in den nächsten Tagen, den letzten deines erbärmlichen Lebens“.

 

Eine Rachegeschichte, bei der es Doxiadis gelingt, jede der beteiligten Personen mit wenigen Worten perfekt zu charakterisieren. Bei Weitem sind das alles keine reinen Sympathieträger und doch fiebert man durchgehend mit, was wohl und wie das wohl passieren wird.

 

 

Das Ganze in einer ganz eigenen, sprachlichen Atmosphäre, die dem Inhalt bestens korrespondiert und im Gesamten eine hervorragende Lektüre abgibt.

 

M.Lehmann-Pape 2017