Piper 2011
Piper 2011

Arne Dahl- Opferzahl

 

Hinderliche Vorurteile

 

In seinem neuesten Roman spielt Arne Dahl in gewohnt sprachstarker, intensiver Weise mit den, sicher zum Teil durchaus gerechtfertigten, Vorurteilen und Ängsten der westlichen Welt ob der islamischen, terroristischen Bedrohung und führt vor Augen, was gut es sich hinter diesem Deckmantel sich verstecken lässt und zu welchen Irrwegen diese gerechtfertigte Sorge auch führen kann.

 

Ein Bombenanschlag auf die U-Bahn in Stockholm fordert 10 Menschenleben. Umgehend tickern die Nachrichten und Meinungen durch die Stadt. Völlig klar für alle Beteiligten ist, dass der islamische Terror nun, nach London, auch in Schweden zugeschlagen hat. Die eiligst zusammengerufene, umfassende Sonderermittlungseinheit aus allen Bereichen der Polizei trifft sich gerade zur ersten Besprechung als zudem noch ein ernstzunehmender Bekenneranruf eintrifft einer Gruppe, die sich „Die heiligen Reiter von Siffin“ nennt.

 

Alles also scheint klaren Linien zu folgen, es kann nur noch darum gehen, diese ominöse, offenkundig islamistische Gruppe, zu finden und dingfest zu machen. Eine Aufgabe, der sich auch die Sondereinheit für Gewaltverbrechen mit internationalem Charakter, kurz A-Gruppe genannt.

Wer Arne Dahls Bücher kennt, weiß, dass sich dahinter Kommissarin Kerstin Holm und Inspektor Paul Hjelm mit ihrem Team verbirgt. Mit ihrem aus vorhergehenden Fällen durchaus noch gebeutelte Team, mitsamt aller Probleme der Konkurrenz unter den verschiedenen Polizeieinheiten, mitsamt persönlicher Tragödien wie der Sache mit Bengt aus dem Vorgängerroman, der sich noch im Koma befindet.

Und mitsamt dem Problem, dass der Fall des Bombenattentats schon bald Brüche zeigt und nicht einfach so stimmig aufgehen will. Denn warum sonst fallen mehr und mehr Mitglieder der „Heiligen Reiter von Siffin“ Anschlägen zum Opfer? Wer mischt noch mit und was sind die wahren Hintergründe des Attentats von Stockholm?

 

Fragen, die das Polizei Team durch halb Europa führen werden und viel größere Gefahren aufdecken lassen wird als nur die einer einzelnen, islamistischen Terrorzelle. Mit einem Gegner, der beste Verbindungen bis in die Spitze der Polizei aufzuweisen hat.

 

Assoziativ ist der Stil von Arne Dahl. Viele Informationen, Gedanken, Eindrücke und Impulse legt er auf die Seiten seines Buches, lenkt wie zufällig die Augen des Lesers hierhin und dorthin und hat doch mit allem, was er erzählt, etwas im Sinn. Manchmal ist das ein wenig anstrengend zu lesen, gerade im ersten Teil des Buches. Bis dann endlich alle beteiligten Figuren (und da sind nicht wenige) ihren Platz gefunden. Ein Stil, mit dem es Dahl durchaus gelingt, den Leser mitten hinein in die Welt seiner Protagonisten zu versetzen.

 

So, wie er mit knappen Streichen auf gerade einmal knapp drei Seiten das gesamte Team der Gruppe A skizziert, mehr andeutet, als detailliert beschreibt und gerade durch diese vielfachen Andeutungen Interesse an den Figuren erweckt, Figuren, die jeweils Kapitelweise späterhin die Ermittlungen tragen werden, so gelingt es ihm ohne weiteres mit souveräner Hand, den roten Faden durch die 440 Seiten des Buches aufrecht zu erhalten.

 

Ein komplexer Fall, der von komplexen Figuren auf beiden Seiten getragen wird und der so manche Täuschungen und vorschnellen Schlüsse ad absurdum führen wird. Ein Fall, an dem die Ermittler auch höchst persönlich beteiligt sein werden. Intensiv, dicht, und  spannend.

 

M.Lehmann-Pape 2011

  • Arne Dahl
  • ist das Pseudonym des schwedischen Romanautors Jan Arnald, geboren 1963. Arnald ist Literatur- und Theaterkritiker und arbeitet für die Schwedische Akademie, die alljährlich den Nobelpreis vergibt. Als Arne Dahl wurde er in den letzten Jahren mit seinen Kriminalromanen um den Stockholmer Inspektor Paul Hjelm und die Sonderermittler der A-Gruppe bekannt und von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen.

(Quelle: Piper Verlag)