Fischer 2011
Fischer 2011

Barry Eisler – Todes Code

 

Familiendrama und Cyberattacke

 

Nach dem letzten Fall um den charismatischen „Tokio Killer“ John Rain, wendet sich Barry Eisler in diesem Buch nun anderen Figuren und Handlungszusammenhängen zu. Vorweg bemerkt, eine Zuwendung, die nicht in gleicher Qualität an die intensiven John Rain Bücher anzuknüpfen versteht.

 

Ben und Alex Treven sind Brüder, durch ein Familiendrama innerlich, später auch äußerlich getrennt. Alex ist auf dem Weg zum Staranwalt, Ben ist verdeckter „Operateur“, letztlich ein Auftragskiller, für einen der amerikanischen Geheimdienste. Durch einen Klienten erhält Alex Zugang zu einer digitalen Verschlüsselungsmethode, durch deren Patentierung er sich in der Anwaltskanzlei die Partnerschaft zu sichern gedenkt. Doch sowohl sein Klient wie auch sein Freund beim Patentamt werden ermordet und auch ihm stellen Unbekannte nach. In seiner Not bittet er seinen Bruder um Hilfe und versucht derweil, gemeinsam mit der attraktiven Kollegin Sarah, Licht ins Dunkle des Geschehens zu bringen. Aber erst als Ben eintrifft, wird langsam deutlicher, worum es wirklich geht und was die verdeckte Sprengkraft des vermeintlich rein verschlüsselnden Programms ausmacht.

Zeitgleich brechen die alten, brüderlichen Konflikte wieder auf und auch die attraktive Sarah wird eine gewichtige Rolle im Verhältnis der Brüder noch spielen.

 

Viel Zeit lässt sich Eisler bei der Entfaltung seiner Figuren, ausführlich stellt er die Lebensläufe, die Brüche, die Charakterstärken, aber auch Schwächen im Buch vor. Mit dem Vorteil einerseits, dass der Leser den drei Hauptfiguren durchaus nahe kommt und diese differenziert geschildert vorliegen. Mit aber auch dem Nachteil deutlicher Längen und einer Verschiebung auf den Fokus der Figuren hin, die deutlich zu Lasten der Action im Buch geht.

 

Spannung taucht nur äußerst selten auf. Nicht, weil Eisler nicht gefährliche Situationen zu kreieren wüsste, sondern weil diese stilistisch eher wie nebenbei eingestreut wirken. Deutlich weniger Raum an intensiver Schilderung lässt Eisler jenen Gefahrenmomenten zukommen als der Schilderung des Innenlebens seiner Figuren. Selbst der Versuch, die aus dem Iran stammende Sarah mit ein wenig Undurchschaubarkeit zu umgeben greift nicht sonderlich durchschlagend im Buch. Von Beginn an ist klar, dass die Vermutung des Soldaten Ben, Sarah triebe ein doppeltes Spiel, keinen Rückhalt haben wird.

 

Das ein oder andere Überraschungsmoment zum Ende der Geschichte hin erhöht noch einmal die Aufmerksamkeit, im Gesamten aber plätschert der Thriller handwerklich solide, aber nur mäßig spannend, nach gutem und ansprechendem Anfang, leider oft zu sehr vor sich hin.

 

M.Lehmann-Pape 2011