Manhattan 2014
Manhattan 2014

Belinda Bauer – Was tot ist

 

Die Suche nach der Einbahntür

 

Von Beginn an gelingt es Belinda Bauer, den Leser in ihre Geschichte, zu ihren Personen hin, in diese Personen ein stückweit zumindest mit hinein zu ziehen.

 

Eine Geschichte, die sie in der ersten Hälfte des Buches aus zwei Perspektiven heraus erzählt, von denen erst langsam deutlich wird, wie eng diese zusammenhängen.

 

Sam Galen hat einen schweren Autounfall.

 

Tracy ist Krankenschwester auf eine Station für Komapatienten, nimmt ihre Aufgabe aber kaum wirklich an, sondern ist mehr damit beschäftigt, einen männlichen Angehörigen von ihren Reizen zu überzeugen.

 

Patrick leidet unter dem Asperger-Syndrom . Wobei, für ihn ist er selbst eigentlich ganz normal, nur die Welt ist so ungeordnet und komisch. So trifft der Begriff „leiden unter“ viel eher auf seine Mutter zu. Vor allem, weil Patricks Vater tot ist. Autounfall. Vor den Augen des Jungen.

 

Dieses Geschehen lässt Patrick keine Ruhe. Wohin gehen die Toten? Was ist das für eine „Einbahnstraßen-Tür“, die den Lebenden verschlossen bleibt? Wo ist diese zu finden?

Logisch, dass sich Patrick, hochbegabt in mancherlei Hinsicht, der Anatomie zuwendet.

 

„Es interessierte ihn nicht, wie Menschen funktionieren. Ihn interessierte nur, was passierte, wenn sie aufhören zu funktionieren“.

 

Dort, auf dem Tisch, liegt eine Leiche zu Studienzwecken bereit, deren Todesursache sich einfach nicht zeigen will, so sehr die Nachwuchsmediziner auch Schicht für Schicht abtragen.

 

Bis Patrick eine Eingebung hat. Die mit Sam Galen zu tun haben wird. Der im zweiten Erzählstrang zu Beginn langsam wieder zu sich kommt. Auf dieser Koma Station.

 

Wie nun Belinda Bauer den Leser mit hineinnimmt, einerseits in diese Sichtweise der Welt aus dem Inneren des Asperger heraus und andererseits intensiv die Empfindungen, die Ohnmacht, das Erleben des Koma-Patienten vor Augen führt, das liest sich ganz hervorragend sehr treffend  bis hin zur atmosphärisch dichten Beklemmung, die sich in Sam Galen mehr und mehr steigern wird.

 

„Sie zu töten ist keine Sünde. Sie am Leben zu halten ist Sünde“.

 

Ein Satz, der späterhin vieles erklären wird und ein Geschehen, dessen Ahnung den Leser von Beginn an begleitet und für starke Spannung sorgt. Perspektiven, die Bauer Schritt für Schritt miteinander verwebt und so am Ende ein stimmiges Gesamtbild vorlegt.

 

 „Er hatte es satt, verwirrt zu sein. Wegen allem“. Und wird Klarheit finden. Auch was das Geschehen um den Unfall seines Vaters angeht.

 

 

Spannend, emotional intensiv, in sich stimmig und logisch aufgebaut, ein hervorragender Thriller.

 

M.Lehmann-Pape 2014