KBV 2011
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Bernd Schumacher – Das Nibelungenkomplott

 

Mord, Verschwörung und königliches Geblüt

 

Gunter, Hagen, der Nibelungenhort, allesamt Personen und Dinge, die nicht in ferner Vergangenheit vergraben liegen, sondern in diesem Buch fast in der Gegenwart (die Geschichte spielt in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts) nachgehen.

 

Und das alles bei Rheinbach, in der Eifel (was übrigens, glaubt man dem Autor, historisch durchaus seine Richtigkeit nach neuesten Erkenntnissen haben könnte).

 

Walter Seibold, aus den Vorgängerbüchern bereits bekannter Kommissar, ist im Ruhestand. Und gerade Witwer geworden. Dumpf liegen die Tage über ihm, da verschwindet die Nichte eines seiner Bekannten aus dem Nachbarort. Und mit ihr ein Professor der Geschichte, der im Gartenhaus jenes Bekannten Wohnung gefunden hatte. Mit Grund, den er ging in der Umgebung der Orte den Spuren des legendären Nibelungenhortes nach.

 

Was der Professor fast gefunden hätte an heimlicher Lagerstätte des Schatzes, darum wissen Hagen, Gunter und der „burgundische Kronrat“ ganz genau. Denn die Nachfahren der alten Nibelungen haben Großes vor. Gerade jetzt. Der Professor stand im Weg. Und nun wird auch Seibold sich in den Weg stellen. Schritt für Schritt arbeitet er die Hintergründe des Verschwindens  der Nichte und des Professors auf, ebenso klärt er den Mord an einem Bundeswehroffizier. Ereignisse, bei denen auch sein Nachfolger im Amt eine gewichtige Rolle spielen wird.

 

Die modernen Nibelungen legt Schumacher getreu den legendenhaften Vorbildern an. Hagen, der harte, der alles über das Ziel der Bewahrung und Ausweitung der Burgundermacht stellt und Gunter, der schon zu Siegfrieds Zeiten eher weich, nachgiebig, auf Harmonie bedacht war und sein Begehren über seine Pflichten stellt (zumindest in Hagens Augen). Denn, wie damals mit Brünhilde, so droht auch jetzt eine junge Frau die Pläne zu stören.

 

Aus zwei Perspektiven, jener der „Nibelungen“ und jener Seibolds erzählt Schumacher nun seine Verschwörungsgeschichte in ruhiger Art und Weise. Der Leser ist dabei dem Kommissar jeweils weit voraus, Überraschungen sind selten in diesem Buch. In Teilen ist dies leider zu gemächlich erzählt, ein wenig Spannung kommt ebenfalls nur an einigen Stellen des Buches auf. Ebenso ist die Grundidee relativ weit her geholt. Denn was die Nibelungen als „ihnen angemessen“ planen, findet beileibe keine historische Entsprechung im Machtanspruch und den Machtmöglichkeiten der Sagen-Vorbilder.

 

Dennoch bietet das Buch durchaus eine unterhaltsame Lektüre, auch wenn es in Teilen bei der Aufklärung des Falles zu konstruiert zugeht und Seibold einiges an Intuitionen über die Hintergründe entwickelt, die weit hergeholt wirken. Das Ende des Buches kommt zudem ein wenig zu kurz, auch wenn es mit einer massiven Überraschung im letzten Satz endet. Die liebevolle und intensive Zeichnung der Figuren, allen voran des Kommissars in seiner Trauer und seiner persönlichen Art, sich seinen Fällen gründlich zu nähern, entschädigt hiefür ein wenig, ebenso die eingebrachte Mentalität und Atmosphäre der Landschaft der Voreifel.

 

Alles in allem gut zu lesen, nicht sonderlich realistisch, von spannungsvollen Überraschungen frei, aber mit Wärme, fließendem Sprachstil und menschlich entfalteten Figuren geschrieben.

 

M.Lehmann-Pape 2011