btb 2017
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Bernhard Aichinger – Totenrausch

 

Hervorragender Abschluss der Trilogie um Brünhilde Blum

 

Schon in den Vorgängerromanen ist es Aichinger gelungen, mit seinem ganz eigenen, assoziativen Stil, dem Leser seine Bestatterin mit „besonderem Hintergrund“, Brünhilde Blum, eng ans Herz zu legen.

 

Eine Frau, die kämpft. Die eine Mission hatte. Rache an den Mördern ihres Mannes. Und die für sich und ihre Kinder am Ende des zweiten Bandes einen hohen Preis gezahlt hat. Als Mörderin gesucht, im Sarg geflohen und nun, zunächst, am äußersten Ende Norwegens gelandet.

 

Eine Atempause nur, denn als der Sommer vergeht, die Touristen nicht mehr kommen, fällt sie auf. Sehr auf. Und ihre Kinder, die wollen, die können da nicht auf Dauer bleiben. So macht sich Blum, trotz aller Gefahr und ohne ihre langjährigen Vertrauten und in ihre besonderen Umstände eingeweihten Menschen (die Todesanzeige ihres Schwiegervaters kann sie nur per Zeitung wahrnehmen, ihr enger Vertrauter Reza sitzt, statt ihrer, im Gefängnis) auf, zurück nach Deutschland zu kommen.

 

„Und wieder sind sie unterwegs. Vor wenigen Monaten sind sie erst angekommen, jetzt gehen sie wieder…keine Dunkelheit, die wehtut, keine Kinder, die schreien…..“.

 

Und gerät umgehend vom Regen in die Traufe. Denn die Kontaktadresse, die sie von einem wohlmeinenden Fernfahrer erhält, führt sie zwar zu einer ersten Möglichkeit, unterzuschlüpfen, bringt sie aber auch umgehend in Kontakt mit der Rotlichtgröße Egon Schiele. Der sich kümmert, aber dafür einen hohen Preis erwarten wird. Einer, der nicht locker lässt, wenn er seine Zähne erst einmal in einen anderen, vornehmlich attraktive Frauen, hineingeschlagen hat. Einer, der keine Grenzen kennt, wenn es um seine Interessen geht. Und einer, der Blum sowohl als Frau wie auch als erfahrene „Töterin“ zu nutzen gedenkt. Auf seine harte, langsame, unerbittliche Art und Weise.

 

„Der gute Wille eines Zuhälters ist nun ihre letzte Hoffnung“. Und ihre Nemesis, wie sich zeigen wird.

 

„Ganz nah ist es, das Eisen, das aus dem Feuer genommen wird. Ihre Angst, die sie versucht, zu kontrollieren“.

 

So gerät Blume, nun nur aus anderen Umständen heraus, wiederum in einen Teufelskreis von Mord und Bedrängung, der zumindest einen Unschuldigen sein Leben kosten wird. Der aber auch die ganze Härte einer Mutter und einer durchsetzungsstarken Frau wieder ans Licht bringen wird.

 

Temporeich, teils mit fast Satzfetzen statt ganzen Sätzen, mit dunklen Dialogen und einer emotionalen Näher zu seiner Hauptperson, die den Leser insgesamt von Beginn an fast spielend wieder in den Bann zieht. Wobei sich Aichinger nicht scheut, brutale Gewalt, hartes Erleben und gnadenloses Vorgehen an den entsprechenden Stellen im Thriller massiv in den Raum zu setzen und somit den Leser nicht zur Ruhe kommen zu lassen.

 

 

Ein hervorragender Thriller und passender Abschluss der Trilogie.

 

M.Lehmann-Pape 2017