btb 2014
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Bernhard Aichner – Totenfrau

 

Rasant

 

Von Beginn an steht fest: Bernhard Aichner macht das anders.

Vor allem im Stil, in der Form, in der Sprache.

 

Kurze, knackige Kapitel. Ebenso kurze Sätze, die manches Mal beim darüber lesen wirken, als würden Sie nur aus Stichworten bestehen.

 

Ein Stil, anders als gewohnt, der auf das Wesentliche reduziert, der sich nicht in langen Details über Orte, Räume, Kleinigkeiten aufhält, der das Eigentliche im Blick hat und so ein immens hohes Tempo durch den gesamten Roman hindurch aufrecht erhält.

 

Blum hat vor Jahren bereits nicht nur ihren Vornamen ad acta gelegt, sondern noch ganz andere, tiefgreifende Veränderungen in ihrem Leben und ihrem Verhältnis zu ihren harten, leistungsorientierten Adoptiveltern vollzogen.

 

Nun ist das traditionsreiche Bestattungsunternehmen seit Jahren ihres. Zwei Kinder, Mark, ihr Mann (ein engagierter Polizist und Ermittler) bieten so etwas wie vollendetes Glück.

 

Wenn da nicht Dunja wäre. Die nicht als heimliche Geliebte ihres Traummannes das Glück stört, sondern als Opfer eines Verbrechens Mark intensiv herausfordert. Mark ermittelt. Was Blum nicht weiß, die beruflichen Dinge ihres Mannes spielen im privaten Leben keine sonderliche Rolle. Bis Mark auf seiner Dukati das gemeinsame Haus verlässt und von einem Wagen auf den Kühler genommen wird. Ganz zerstört wird. Mark tot, Blum am Boden, nur aufrecht erhalten, Schritt für Schritt, durch die Kinder und Marks Vater, der im Haus lebt und der Blum ebenfalls braucht.

 

Doch dieser Unfall mit Fahrerflucht war kein Unfall. Das war ein Mord, Von jenen fünf unbekannten Männern, vor denen auch Dunja auf der Flucht war und ist. Jene fünf, die Mark aufspüren wollte, denen er näher kam, als jenen lieb war.

 

„Problem gelöst“ ist, was die Männer denken. Und haben ihre Rechnung ohne Blum gemacht, die ganz anders kann als mitfühlend Trauernde zu begleiten, die alles im Haus hat, was man braucht, um Rache zu nehmen. Die nicht locker lässt bis zum dramatischen Finale und zu schmerzlichen Erkenntnissen über Freund und Feind.

 

Im Buch lässt Aichner seine Blum sich auf „Dexter“ beziehen. Eher am Rande zwar, in einem Nebensatz, aber in der Gestaltung der Geschichte, den „Umgangsformen“ Blums ihren Gegnern gegenüber, der an entsprechendem Ort eindeutigen Sprache der Gewalt schwingen durchaus Ähnlichkeiten zur Fernsehserie mit, auch wenn Blums Motivlage sehr viel persönlicher gehalten ist.

 

 

In sich logisch, rasant, mit einer bei der Rache beinharten, ansonsten aber innerlich sehr verletzten Protagonistin, mit Menschen, die meist nicht viel Worte machen, gelingt Aichner in seinem Debüt als Thrillerautor ein spannendes, temporeiches, mitreißendes Buch, das für den gewieften Leser zwar in seinem hoch überraschend gedachten Ende mitsamt dem letzten „Showdown“ doch vorzuahnen ist, dennoch aber durchweg bei der Stange hält.

 

M.Lehmann-Pape 2014