Droemer 2013
Droemer 2013

Bernhard Minier – Schwarzer Schmetterling

 

Düstere Ereignisse

 

Wie kann es sein, dass der geköpfte Torso eines Rassepferdes mit einer Seilbahn hoch zu einem alten Eingang eines Wasserkraftwerkes gebracht wird, dort gehäutet und kunstvoll in Schmetterlingsform drapiert an die Seile der Seilbahn  gehängt wird und die beiden Wachleute unten an der Talstation haben nichts gehört oder gesehen?

 

Wie kann es sein, dass ein isolierter Gewaltverbrecher (ehemals Staatsanwalt), der in der tiefsten Einöde Frankreichs in einem ebenso isolierten Gelände für hoch gefährliche Psychopathen einsitzt, dennoch seine DNA an der Seilbahn gefunden wird und er selbst sich ziemlich gut informiert über die Vorgänge zeigt?

 

Was hat diese alte „Jugendgang“ mit all dem zu tun, deren Mitglieder in großer Gefahr für ihr Leben schweben? Und was hat es mit diesem alten, verlassenen, zerfallendem Ferienlager auf sich, das ebenfalls in der unmittelbaren Umgebung der Klinik und des Dorfes sich befindet ?

 

Fragen, denen sich Kommissar Martin Servaz zu stellen hat. Und in deren Verlauf er stark darauf achten werden muss, sich seiner Kollegin Ziegler nicht zu romantisch zu nähern. Das wäre gleich aus mehreren Gründen mit schwierigen Folgen verbunden. Wobei die Sorge um die eigene Tochter ihn an sich bereits genügend beschäftigt. Mitsamt einer Verliebtheit in die hochschwangere Ehefrau seines liebsten Kollegen. Gefühle, die scheinbar sogar erwidert werden. Servaz ist somit innerlich ziemlich ausgebucht, als er sich an die Ermittlungsarbeiten des „Pferdemordes“ macht.

 

Zeitgleich tritt die Psychologin Diane Berg ihre Arbeit in der gesicherten Anstalt an und stellt von der ersten Sekunde an fest, dass sie nicht sonderlich willkommen bei den Verantwortlichen ist. Und das jemand nachts durch die Gegend schleicht. Was eigentlich unmöglich ist.

 

Es dauert eine Weile, bis Servaz auf seiner Seite und Diane Berg auf ihrer Seite feststellen, dass sie tief in der Vergangenheit  suchen werden müssen, um Licht in die Ereignisse zu bekommen.

 

Breit angelegt hat Minier seinen Thriller, der in den Strukturen des Falles an sich spannend in sich geschlossen angelegt ist und so manche überraschende Wendungen bereit hält.

 

Die mögliche „düstere Seite“ des Thrillers, die Ereignisse um gefährliche Psychopathen mit dem grausamen und hoch intellektuellen Hirtmann an der Spitze (eine Art Hannibal Lecter ohne Kannibalismus) allerdings ergänzt den Thriller nicht in bester Weise, sondern wirkt über lange Strecken eher wie ein Fremdkörper in den Ermittlungen des Kommissars. Mit wenig konkreten Schilderungen im Übrigen. Und als Verbindungen offenkundig werden, wirken diese nicht sonderlich nötig oder passend eingebaut. Das mögliche Bedrohungspotential um die junge Diane Berg herum lässt der Thriller bei aller Bemühung doch deutlich vermissen.

 

So verbleibt gut konstruierter Fall mit spannender Abfolge und überraschenden Wendungen um einen überzeugend und realistisch konzipierten Kommissar mit einer nicht weiter wichtigen und ebenso nicht unbedingt Schaudern erzeugenden „Nebenhandlung“ nur für das Buch wichtig scheinender „Psychopathen“.

 

M.Lehmann-Pape 2013