Suhrkamp 2016
Suhrkamp 2016

Candice Fox – Eden

 

Harter Thriller und kongeniale Fortsetzung

 

Irgendwann im Lauf der Fälle, die dieser Fortsetzung von „Hades“ den erzählerischen Rahmen geben, betritt Detective-Inspector Frank Bennet das Haus einer Frau. Auf der Suche nach einer Spur, die längst erkaltet ist, auf der Suche nach einem Mädchen, dass vor Jahrzehnten bereits verschwand.

 

Eine Messi-Höhle mit verwahrlosten, Kot besudelten Hunden, mit Tüten voll undefinierbaren, unglaublich stinkenden, Inhalts und mitten drin im Müllberg im Haus ein Wesen, das kaum mehr sprachfähig ist und bei lebendigem Leib zu verwesen scheint.

 

Das ist die Atmosphäre, das Umfeld, in das Candice Fox den Leser plakativ und dicht mit hineinnimmt. „Ganz unten“, wo harte Männer ihr Unwesen treiben. Wo Frauen kaum mehr als Ware, als „benutzbares Material“ gelten. Wo in Hinterzimmern Hundekämpfe stattfinden und man aufpassen muss, nicht in den „Pit“ (die Kampfarena) geschubst zu werden.

 

„Ihr ganzer Körper bestand aus Specklappen – an Armen und Beinen hing eine Hautschicht über der anderen“.

 

Oder wo Hades, der zwar gealterte, aber immer noch harte, alte Mann auf seinem Schrottplatz weiterhin Leichen entsorgt. Da, wo sie keiner findet, da, wo sich Gewebe schnell auflöst. Auf seinem Schrottplatz, auf dem er sich auch der Kunst der Skulpturen widmet.

 

Egal, ob der Kunde Kannibale ist oder „nur“ ein Mörder, Hades richtet es. Gegen harte Bezahlung. Nicht umsonst war und ist er dafür die „erste Adresse“ in Sydney.

 

Kaputte Existenzen, Menschen (auch das oft drastisch und klar beschrieben), bei denen Körperhygiene nicht zum Alltag gehört, wo der ein oder die andere das Leben aus nichtigen Gründen verliert oder weil man gerade eine Leiche für irgendwas braucht.

 

Zwei Fälle sind es dabei, die Eden, „angenommene“ Tochter von Hades und ihren Partner, Frank Bennet, beschäftigen.


Das „Tier. Sie ist ein kaltes, schönes Tier“, wie einer der ermittelnden Helfer es in Bezug auf Eden ausdrückt, übernimmt eine verdeckte Ermittlung, drei junge Mädchen sind verschwunden und eine Trailer-Camp, Absteige lichtscheuer Gestalten, könnte der Ort sein, an dem die sich Mädchen letztmalig aufgehalten haben.

 

Während Frank versucht, Eden nicht aus den Augen zu verlieren, hat aber auch Hades ein nicht kleines Problem. Der Verwandte eines Mädchens aus seiner Vergangenheit, „des“ Mädchens aus seinem Leben, macht ihn für deren Verschwinden und Tod vor Jahren verantwortlich. Und hält Hades unter enger Beobachtung. Wie lange werden die Nerven des alten Mannes halten? Frank läuft gegen die Zeit an und versucht, den alten Fall zu klären, das Mädchen von damals zu finden. Zudem könnte privat da was sich ergeben, aber man will es ja nicht beschreien als hundertmal desillusionierter Cop.

 

Während Candice Fox in hohem Tempo einerseits die Vorgänge in der Gegenwart vorantreibt und andererseits die Geschichte des Heinrich, genannt „Hades“ von Kind an erzählt.

 

Wie im ersten Band der Reihe gelingt Fox wiederum, scheinbar mühelos, eine Atmosphäre von Dreck, Blut, Gestank und, vor allem, brachialer Härte zu zeichnen, die den Leser an sehr spezielle, für den Magen nicht immer einfach Orte mit hineinnimmt. 

Das Ganze mit kantig, kühl und griffig gestalteten Figuren und immer mit einem Bein im Morast von Korruption und Lebensumständen, die sich mit Grund im Zwielicht oder gar ganz im Dunkeln am wohlsten fühlen.

 

 Ein empfehlenswerter, sehr spannender Thriller, bei dem nur das Ende doch ein Stück zu lapidar und kurz geraten ist, gerade was die Ereignisse um die Jugendliebe des alten Mannes auf dem Schrottplatz angeht, aber auch, was das Verschwinden der drei Mädchen betrifft.

 

M.Lehmann-Pape 2016