Manhattan 2014
Manhattan 2014

Carl Hiaasen – Affentheater

 

Armlos

 

Eigentlich war der Kapuzineraffe nur das Double. Kam mit Johnny Depp ganz gut aus (aber auch nur mit ihm), wurde umgehend vom Set des Piratenfilms wieder entsorgt, führt sich aber auf wie ein echter Star. Zumindest hat er keine Hemmungen, seine Launen auch „bissfest“ kundzutun, wenn er nicht gerade an einer Pfeife nuckelt. Auch wenn er selbst nicht stubenrein ist, was kümmert es ihn?

 

Das aber ist zunächst (noch) nicht das eigentliche Problem von Andrew Yancy.

 

Als Cop in Miami entlassen, jetzt irgendwo auf den Keys in der Provinz.

Gerade einen Haufen Ärger am Hals, weil er den Manns einer Geliebten Bonnie auf offener Straße (und vor massig Zeugen) mit einem Rohr eines Staubsauger „hinterrücks“ gemaßregelt hat. Abgeschoben in die Lebensmittelkontrolle.

Was dazu führt, dass er ziemlich an Gewicht verlieren wird und vor lauter Kakerlaken und Bakterien den Hummer gar nicht mehr richtig vor Augen bekommt.

 

Zudem hat ein Investor direkt nebenan gebaut. Höher als erlaubt. Sein wunderbarer Ausblick ist empfindlich gestört.

Mit viel Finesse und einem arglosen Lächeln im Gesicht findet Andrew aber immer wieder eine kleine Hinterlist, um mögliche Käufer des Gebäudes nachhaltig abzuschrecken.

 

Somit hat der Mann genug zu tun mit seinem durcheinander geraten Alltag, den er trotz stoischer Ruhe, intensiver Coolness und trockenstem Humor erst mal im Griff halten muss. Mit leichtem Herzschmerz zudem noch, was Bonnie angeht, denn irgendwie ist seit seiner näheren Bekanntschaft mit deren Mann auch in dieser Beziehung der Wurm drin.

 

Viele dieser kleinen Geschichten verfolgt Hiaasen mit wunderbarem Humor durch das gesamte Buch hindurch als „kleine rote Fäden“, Nebenstränge, die den Leser immer wieder zwischen leichtem Schmunzeln und lautem Gelächter innehalten lassen. Mitsamt der vielen anderen  Ereignissen und je für sich beteiligten Figuren, die doch später in einem gesamten Netz untereinander Verbindung haben werden (wenn auch nicht immer zur Freude aller).

 

Vor allem zunächst aber gibt dieser Arm der Geschichte den großen Rahmen und nötigen „Biss“.

Bisschen angenagt von kleinen Haien. Den Mittelfinger hoch gereckt. Aus dem Meer geangelt (meint man erst mal). Was seinem Chef, dem Scheriff, in keiner Form gefällt. Keine Unruhe vor Ort, keine Abschreckungen an Investoren und Touristen, weg damit.

Klare Ansage also.

 

Andrew soll das Problem entsorgen. Weit weg. Nach Miami. In die Gerichtsmedizin. Irgendein Vermisster wird sich schon finden, dem der Arm gehört.

 

Alleine nun, wie Andrew sich auf den Weg macht, den Arm in einer Kühlkiste neben sich, seine Getränke und Eislutscher schön gekühlt (natürlich in der gleichen Kiste) und das leichte verweste Körperteil einfach nicht entsorgt bekommt, bringt umgehend die humorvolle Grundstimmung in diesen trocken erzählten Cop-, Buddy-, Liebes- und Kriminalroman.

 

Überraschende Wendungen, nebenbei immer mal wieder für Randale auf dem Nachbargrundstück sorgen, später erst erkennen, was ein Mord auf offener Straße, ein Bauvorhaben auf den Bahamas und ein Kapuzineraffe miteinander zu tun haben werden, dabei durchaus auch mit spannenden und „ernsten“ Momenten versehen, bietet Hiaasen eine sehr unterhaltsame, mit viel Situationskomik versehene und anregende Lektüre.

 

Das die „Lösung des Falles“ dem kundigen Leser frühzeitig ins Auge fällt, führt zu wenig Abstrichen am Lesevergnügen, auch wenn hier und da die Geschichte ein wenig in die Länge gezogen wirkt und irgendwann der Humor sich auch ein stückweit verbraucht.

 

 

Alles in allem gute und trocken-humorvolle Unterhaltung.

 

M.Lehmann-Pape 2014