Ullstein 2012
Ullstein 2012

Chris Carter – Der Knochenbrecher

 

Überzeugender Ermittler in solidem Thriller

 

Das Strickmuster des neuesten Verbrechens, auf welches Chris Carter seinen Ermittler Robert Hunter ansetzt, ist nicht unbedingt unbekannt oder etwas wie ein „neuer Wurf“, sondern er „klassisch“ zu nennen.

 

Ein Serienmörder, der wohl „Unverdautes“ aus seiner Vergangenheit nun an Frauen „aufarbeitet“, denen allen gemeinsam ist, dass sie bereits leidlich bekannte Künstlerinnen (Malerinnen) sind. Ein Serienmörder allerdings, der ein Verhalten an den Tag legt, das schwer einzuordnen ist. Und einer, der eine ganz perfide (Respekt vor der Fantasie Chris Carters) Methode „erfunden“ hat, um jene Frauen zu Tode zu bringen, Eine Methode, die seine Anwesenheit bei diesem Mord nicht nötig macht. Einer, der sich, scheint´s ohne Gewalt, Zugang zu den Wohnungen der Künstlerinnen verschafft und der durchaus (mit „kleineren Ausnahmen“ sorgfältig mit deren Körper umgeht.

 

Inhaltlich mehr aber kann kaum verraten werden, zu eng und dichtmaschig gehören letztendlich die Indizien und die Mordart zur Lösung des Falles zusammen.

 

Ein Fall, in dem Robert Hunter als Ermittler der Mordkommission von Los Angeles nicht alleine bleibt, eine ehemalige Polizistin und nun private Ermittlern wird vom Vater einer der verschwundenen Frauen engagiert. So erzählt Carter seine Geschichte in den Hauptsträngen zwar überwiegend aus der Sicht Hunters, lässt aber auch anderen Perspektiven im Buch Raum, vornehmlich jener der privaten Ermittlerin.

 

Auch wenn das Muster und der rote Faden des Thrillers wenig Neues bieten, in der Erzählweise gelingt es Carter, durch seine klare Sprache und die stetige Voranbringung der Ereignisse ein hohes Tempo zu halten. Ebenso, wie er sprachlich über genügend Möglichkeiten verfügt, entscheidende „Begegnungen“ zwischen Mörder und Opfer beklemmend und spannend für den Leser zu gestalten.

 

Ein wenig stereotyp sind seine regelmäßigen Einschübe, mit denen er die Geschichte und Vergangenheit seines wesentlichen „Personals“ offen legt. Dies gerät hier und da etwas langatmig und wenig interessant (auch wenn dieser Hintergrund bei einigen der handelnden Personen durchaus seine Bedeutung hat, bei anderen hätte man darauf verzichten können).

 

Deutlich ist: „Der Mörder verfügt über eine geradezu übermenschliche Geduld und Selbstbeherrschung“.

Das ist keiner, der Fehler macht. Vermittels seiner psychologischen Kompetenzen aber ahnt Hunter bald, dass die entführten und gemordeten Frauen nicht das eigentliche Objekt der Begierde des Mörders sind.

 

„Der Knochenbrecher“ ist ein klar strukturierter Thriller mit einigen ausgereiften und ansprechenden Ideen, was Motiv und, vor allem, Art der Morde angeht. Mit Robert Hunter ist ein psychologisch geschulter Ermittler auf dem Weg, der an den entscheidenden Stellen in der Lage ist, hinter den Vordergrund zu schauen und dem Leser dadurch Einblick in die Psyche des Täters liefert, lange bevor konkrete Personen in Verdacht geraten werden. Solide, unterhaltsam, mit einer interessanten Mordmethode und einem überzeugenden.

 

M.Lehmann-Pape 2012