rororo 2011
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Chris Mooney - Invisible

 

Realistisch und Spannend

 

Seinen Titel erhält das Buch von einem neuentwickelten Kampfanzug, der durch rasend schnelle Mikrochips und die Bestückung mit vielfachen Miniaturbildschirmen und Kameras seinen Träger quasi unsichtbar macht, indem Umgebungsaufnehmen der eingebauten Kameras in Echtzeit auf die Miniaturbildschirme übertragen wird und so den Anzug zu einem einzigen Bildschirm gestalten, der nicht mehr den Träger, sondern nur mehr ein Bild der Umgebung sichtbar sein lässt.

 

Durchaus nicht weit entfernt von den technischen Möglichkeiten unserer Tage ist diese Art von Waffe allerdings nur die Blaupause, auf der sich die Handlung des Thrillers Seite für Seite entfaltet.

 

Ein geheimnisvoller Dieb stielt seit längerem bereits immer wieder geheime, neu entwickelte Errungenschaften, die als Waffen benutzt werden können. Wer der Dieb ist und was aus den gestohlenen Erfindungen wird, ist der Hauptfigur des Romans, Steve Conway, CIA Agent, und seinen Mitstreitern lange Zeit völlig schleierhaft. Sie wissen nur, dass der Dieb es auf diesen Anzug abgesehen hat und tun alle in ihrer Macht stehende dafür, dass der Anzug nicht in unrechtmäßige Hände fällt.

 

Doch Angel Eyes, so der Deckname des Diebes, erweist sich als hochintelligenter Gegner. Doch ist er eigentlich wirklich der Gegner? Steve Conway gerät von einer gefährlichen und lebensbedrohenden Situation in die nächste, wein Team wird aufgerieben, er selbst entkommt oft nur knapp dem Tod.

 

Dass dies alles keine Zufälle sind, dass jemand alles in seiner Macht stehende tut, um Conway zu schützen und dass noch ganz andere Parteien mit im Spiel sind, die über hochkarätige Insiderinformationen verfügen, dass alles erschließt sich Conway nur langsam.

 

Weil Christ Mooney dem Leser allerdings etwa aber der Mitte des Thrillers aber einen Wissensvorsprung vor dem gebeutelten CIA Agenten mit auf den Weg gibt, lichtet sich das Dunkel für den Leser zumindest etwas schneller, ohne dass dies allerdings die Spannung mindern würde.

 

In klaren Sätzen und zweckmäßiger Sprache versteht es Mooney, seine Geschichte stetig voran zu treiben und auf den gut 550 Seiten das Tempo durchgängig hoch zu halten bis hin zum ausgefeilten und geschickt konstruierten Finale.

Zudem lässt er in Conway keinen unrealistisch allwissenden und unverwundbaren Helden a lá James Bond den Kampf gegen die verschiedenen Gegner und Verräter aufnehmen, sondern einen durchaus hier da taumelnden und angezählten Mann, der seine eigene Geschichte ebenso zu tragen hat, wie die aktuellen Gefahren.

Ebenso verfährt Mooney in bester Marnier mit allen Protagonisten. Indem er stereotype Schilderungen weitgehend meidet, durch knappe, aber prägnante Beschreibungen den handelnden Figuren eine erkennbare Physis verleiht und zudem durch kleine Rückblenden die Motive der einzelnen Figuren und ihre Entwicklung verdeutlicht, erhält die Geschichte zusätzlich einen spürbaren Realismus.

 

Natürlich legt Mooney keine Hochliteratur vor, dennoch aber einen lebendigen Thriller, der ohne Brüche durchgängig Temporeich seine Geschichte erzählt, getragen von fassbaren Figuren und vielen Wendungen und Verwicklungen, die den Leser bis zur letzten Seite bei der Stange zu halten verstehen.

 

M.Lehmann-Pape 2011