dtv 2014
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Christa Bernuth – Das Falsche in mir

 

Parforce Ritt durch die Psyche

 

Da sind diese Männer im Raum mit ihren Disney Masken. Und sie tun Dinge mit dem kleinen Mädchen. Schmerhafte Dinge.

 

Da ist diese Mädchenleiche. Zerschunden, missbraucht und zerschnitten. Und es wird nicht lange dauern, dann ist ein weiteres junges Mädchen verschwunden. Beide um die 15 Jahre alt mit blondem Pagenkopf, das ist der Typ Mädchen, auf den es der Mörder abgesehen hat.

 

Und da ist Lukas Salfeld.

Ehemann, Vater zweier Töchter, Angestellter.

Einer mit Vergangenheit.

Von der seine Frau, niemand, näher etwas weiß. Lukas hat wegen Mordes gesessen. Ein Jahrzehnt, verurteilt mit gerade 16 Jahren. Einer, der seine damalige Freundin getötet, „zerschnitten“ hat. Um die 15 Jahre alt mit blondem Pagenkopf.

 

„Bisher war ich sicher, dass ich alles richtig gemacht hatte….. ich habe zwei Mädchen gezeugt. Ich gebe zu, das war dumm. Aber ich konnte nicht wissen, dass beide so blond und zart werden würden wie Marion. Marion, meine Liebe, mein Menetekel“.

 

Was Wunder, dass sich die Polizei erinnert, auch nach 35 Jahren noch.

Die Kommissarin Sina ermittelt im Rahmen der Sonderkommission, ihr alternder Kollege hat damals noch den aufsehenerregenden Fall um Saalfeld miterlebt. Und jener Lukas Salfeld war an jenem Abend, an dem das erste, nun tote Mädchen, verschwunden war, in der Kneipe. Ohne Erinnerung an den späteren Verlauf des Abends. Filmriss durch Alkohol, vermutet er.

Umgehend ist er die Nummer eins, eigentlich der einzige Verdächtige im Geschehen.

 

Hat er wirklich wieder gemordet? Hat der Teufel in ihm das Zepter des Handelns übernommen? Alle Indizien sprechen gegen ihn, jede Spur führt wie eine breite Autobahn direkt auf ihn zu.

Salfeld flieht bei der Festnahme und irrt durch die Stadt. Das kann doch nicht sein, da muss ein anderer ihn kopieren, seine Schwäche aus nutzen oder ist er selbst auch „der Andere“?

 

Während die Polizistin Sina recherchiert, tauchen Dämonen aus ihrer eigenen Vergangenheit auf. Gibt es Zusammenhänge zwischen dem, was sie erlebt hat und diesem neuen Fall?

 

Durchaus reizvoll und mit Tempo versehen legt Christa Bermuth diese innere und äußere Suche vor die Augen des Leser, wobei es ihr gelingt, gerade in die Person des Lukas Salfeld tief hineinzublicken und das Ganze in der düsterer Atmosphäre der auch äußerlich winterlichen, trüben, dunklen Stadt nachhaltig und beklemmend zu verankern.

 

Pädophälie und Serienmorde, beide Motive besetzt Bernuth mit dichten und einfühlsamen Emotionen, so dass der Leser sich dem kaum entziehen könnte. Allerdings verbinden sich beide Motive nicht in unbedingt natürlicher Weise im Buch, ziemlich konstruiert wirkt diese Verbindung gerade zum Ende hin, wenn die Dinge ein wenig ausufern und der Leser sich fragt, ob irgendeine der weiblichen Figuren des Buches denn in ihrer Kindheit nicht auf diese Männer mit den Masken getroffen ist.

 

 

Die Vorgänge rein um Lukas Salfeld herum, der perfide Plan, der mehr und mehr absolut bestechend und zwingend in den Raum tritt, die Aufarbeitung dessen, was wirklich damals in seiner Jugend geschehen ist, dass allerdings hält den Leser mit Spannung im Buch und ist eine sehr gelungene Darstellung eines vernetzen und hintergründigen Verbrechens, an dem schon damals mehr dreckige Wäsche beteiligt war, als man in der Gegenwart zunächst vermuten würde.

 

M.Lehmann-Pape 2014