Droemr 2012
Droemr 2012

Christian Limmer – Unter aller Sau

 

Harte Unterwelt in Niederbayer

 

Der Name „Vlad“ für einen vermeintlichen  „Bösewicht“ des Romans ist tatsächlich gut gewählt. Nicht dass jener Vlad in Niederbayern tatsächlich ein Blutsauger wäre, aber er könnte durchaus mit allen Wassern gewaschen sein. Und lautlos und leise könnte er es verstehen, wie sein Namensvetter, bei Nacht in Häuser einzudringen, zu morden und ohne eine konkrete Spur wieder zu verschwinden. Falls sich der Verdacht überhaupt erhärten sollte gegen den Rumänen, der im Niederbayerischen Dorf eine Schönheitsfarm betreibt.

 

Eine vermeintliche Mordszene bei Nacht im stillen Haus, die im Übrigen einer der Höhepunkte in diesem gut zu lesenden und logisch aufgebauten Kriminalroman ist. Ein Krimi, der seine Spannung letztlich nicht aus überraschenden Wendungen und Erkenntnissen zieht, wie so manch andere Kriminalromane (die Täter sind nicht allzu lange unbekannt), sondern aus der daraus folgenden Konfrontation der gestandenen Polizistin und Dienstleiterin in Niedernussdorf, Gisela Wegmeyer.

 

Eine übel zugerichtete Frauenleiche wird im Wald bei Niedernussdorf gefunden. Schnell ergeben die Ermittlungen Verbindungen ins heimliche Rotlichtmilieu des Nachbardorfes. Doch Wissen heißt nicht unbedingt, Dinge auch Beweisen zu können. Vor allem dann nicht, wenn eine eiserne Mauer des Schweigens zunächst im Raume steht. Ein Schweigen aus Angst vor „dem Rumänen“, der hinter allem zu stecken scheint.

 

 Nicht unbedingt förderlich ist zudem, dass die Leitung der Ermittlungen natürlich nicht bei der Dorfpolizei liegen, sondern die Mordkommission aus Straubing in Person von Kommissar Lederer durchaus ganz gerne auf die recherchierende Mitarbeit der Ortspolizei verzichten würde. Wenn aber eine Gisela Wegmeyer sich einmal festgebissen hat, anfängt, die Dinge persönlich zu nehmen, stellt man sich ihr besser nicht in den Weg.

 

Weder lässt sie sich, bei aller Betroffenheit, durch die fortschreitende Demenz ihres Vaters abhalten, noch lässt sie sich hindern von der teilweise überbordenden Dumpfheit und der schwelenden Spannungen zwischen ihren Mitarbeitern vor Ort. Die sich im Übrigen, trotz mancher satirischer Zeichnung durch den Autor zu Beginn des Romans, durchaus handfest im Buch entwickeln werden. Auch der kühle und so gerne hart auftretende Lederer wird im Lauf der Zeit spüren, dass er besser mit Wegmeyer kooperiert.

 

Lokalkolorit und Atmosphäre der niederbayerischen Gegend trifft Christian Limmer schlafwandlerisch sicher. Neben einer gehörigen Portion Humor gelingt es ihm gut, nicht in eine Persiflage abzurutschen, sondern die Bigotterie der Dörfler einerseits, die rauen Umgangstöne andererseits und auch die Verbrechen selbst durchaus hintergründig und fesselnd auf den Punkt zu bringen. Dennoch, an manchen Stellen überzieht Limmer im Eifer des Gefechtes dann doch. Zwei hartgesottene rumänische Kriminelle, die im Nadelstreifenanzug durch den Wald irren und von einer merkwürdigen Bürgerwehr umgehend festgesetzt werden und kurz vor der Folter stehen gehören hier ebenso in das Reich der zu breiten Fantasie wie so manche „Marotten“ der drei untergebenen Polizisten im Dorf.

 

Alles in allem ein gut aufgebauter und sprachlich flüssig zu lesender „Niederbayernkrimi“ mit handfesten Spannungselementen, menschlichen Dramen und überzeugenden Figuren, der hier und da satirisch überzieht.

 

M.Lehmann-Pape 2012