Neumann-Neudamm 2011
Neumann-Neudamm 2011

Christian Oehlschläger – Der Waldvogel

 

Mord im Wald

 

Dass einer der neuen, jungen Kollegen bei der Besichtigung eines Tatorts im Wald Kommissarin Maike Schnur von der Polizeiinspektion Celle im Umfeld von Prostituierten morden für eines solcher „leichten Mädchen“ hält und dementsprechend seine Blicke unverhohlen auf und nieder schweifen lässt, zeigt schon, dass das Ermittlungsteam aus Celle (neben Maike Schnur noch bestehend aus dem „Liebhaber des (und der) Spanischen“ Kommissar Robert Mendelski) ein wenig „aus der Reihe“ fällt. Zumindest, was die Kleidungsgewohnheiten und die Liebe zum Tattoo der jungen Kommissarin angeht.

 

Ein anders sein, welches aber der konzentrierten Fähigkeit zur Ermittlung des Duos keinen Abbruch verschafft. Ermittlungen, die sich in diesem Fall der Ermittler als vertrackt erweisen werden. Und ebenso für den Leser, obwohl dieser hier und da doch einen kurzen Einblick aus der Perspektive des Mörders erhascht und damit den Kriminalbeamten einen Hauch voraus ist. Was dennoch nicht viel nutzt bei der Frage, wer denn zunächst eine, dann zwei Prostituierte, die ihre Dienste in ihren Wohnmobilen im Wald anbieten, eben in diesen Wohnmobilen ermordet und in merkwürdigen Posen zurückgelassen hat.

 

Auch ein anderer Bewohner des Waldes, ein Aussteiger, der für sich im Wald lebt und dort nebenbei zur eigenen Unerhaltung auch einmal gerne in die Fenster der Wohnmobile geschaut hat, weiß nicht viel mehr. Doch unversehens gerät er in den Mittelpunkt der Fahndungen. So gestaltet sich ein breiter Teil des Buches in und um die Hatz nach jenem „Waldschrat“ Bruno Januske, durchaus breit gestaltet, sogar mit einem keinen Einschub aus der Perspektive eines Fährtenhundes ist dieser Teil ausgestattet. Andererseits, und hier liegen kleinere Abzüge in der Qualität des Buches vor, zu ausführlich beschäftigt sich Oehlschläger mit dieser Verfolgung im Wald und das beständige sich Verstecken des Obdachlosen. Ein gutes Stück Straffung dieses Fadens der Geschichte hätte dem Buch im Gesamten besser zu Gesicht gestanden.

 

Denn durchaus spannend und rätselvoll lässt es sich ansonsten an, die Begleitung so mancher dubioser Figuren von Zuhältern über den Förster bis hin zum undurchschaubaren Waldarbeiter mit seinem Bruder, bei all denen lange nicht deutlich wird, was genau deren Interessen sind und wie genau sie mit diesen beiden Morden in Zusammenhang stehen könnten.

 

Erweitert durch ein wenig Lokalkolorit und durch einen Prolog, der ins Innere des Mörders blicken lässt, lesen sich die 300 Seiten des Buches munter und flüssig und werden zum Ende hin durchaus mit überraschenden Wendungen, Gefahr und Spannung angereichert.

 

Ein in sich logisch konstruierter Kriminalfall mit überraschender Auflösung, unorthodoxen Ermittlungswegen, in der Sprache flüssig und teils umgangssprachlich aus dem Leben gegriffen, hier und da mit leichten Längen, alles in allem aber eine anregende Unterhaltung.

 

M.Lehmann-Pape 2011